Äpfel im Garten der Gartenphilosophin

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Zumindest Adam und Eva wird es geschmeckt haben, bevor sie vertrieben wurden...

"Stina Lohmann" vom Schnee überrascht

Mein Garten ist Zier- Natur- und Nutzgarten zugleich,

drei Aufgaben auf einmal. Dazu kommt, das ich ein Herz für Altes, Gefährdetes habe. Ich bin kein großer Freund moderner Pflanzen, die die alten Sorten ausstechen wollen. Deshalb habe ich bei der Planung meines Obstgartens Wert auf Obstbäume alter Sorten (Buch-Link zu Amazon) gelegt.

Tagelang habe ich Kataloge gewälzt, um die Sorten zu finden, die mit unseren mageren Standortverhältnissen umgehen können.

Apfel ist nicht gleich Apfel. Die eine Sorte liebt und braucht es feucht, die andere MUSS in nahrhaften Boden, andere halten ein kühles feuchtes Klima besser aus, wieder andere können auf mageren Böden bestehen.

Malus domesticus Booicken
Sieht appetitlich aus, der "Booicken"

Der Riesenboiken- Apfel

Wir haben als einen der ersten Bäume im Garten die Apfelsorte 'Riesenboiken‘* angepflanzt.(Alle hier gesetzten Links führen zur Baumschule Horstmann) Peterson hat zu dieser Sorte eine familiäre Beziehung, deshalb musste er auch in unseren Garten. Dieser Baum erhielt später eine Erdaufschüttung und bildet das Rückgrat unserer Apfelterasse.

Als die Streuobstwiese dazukam habe ich als erstes den ‚Gelben Edelapfel‘* gepflanzt. Er kümmert allerdings auch nach nunmehr sechs Jahren noch und ist ein bisschen empfindlich. Ich weiss nur nicht auf was…
Dann kamen der ‚Seestermüher Zitronenapfel‘* und die ‚Stina Lohmann‘ dazu und der ‚Rote Astrachan‘. Diese Apfelsorten haben verschiedene Pflückreifen, so das ich Zeit habe, sie zu ernten und zu lagern oder zu verarbeiten, ohne in einer Masse an Äpfeln unterzugehen. Der „Rote Astrachan“ ist ein früher Apfel, der vom Baum direkt gegessen werden kann. Den kann man kaum lagern. Je früher eine Apfelsorte reift, umso kürzer ist ihre Lagerzeit. Nach dem „Roten Astrachan“ ist der "Gelbe Edelapfel“ reif und der „Seestermüher Zitronenapfel“. Der „Booicken“ und dann im November die 'Stina Lohmann'* runden das Apfeljahr ab.
Dann habe ich noch einen unbenamten Apfel in meinem Garten, der bekommt aber besondere Aufmerksamkeit und so eine eigene Geschichte…

Malus domesticus "Seestermüher Zitronenapfel
Zum Anbeissen, "Seestermüher Zitronenapfel"

Vom Geschmack her hat mich bisher die Stina Lohmann SEHR überzeugt. Ihre Lagerfähigkeit soll legendär sein, bis weit in den Mai/Juni des nächste Jahres hinein. Da wir hier keine vernünftige Lagermöglichkeit haben, kann ich das nicht herausfinden. Aber allein in meinem Lager hat sie sich bis in den Januar gehalten.

Apfelbäume sind das ganze Jahr über ein schöner Anblick.

Bei mir habe ich Hochstämme gepflanzt, die von Anfang an eine gewisse Imposanz zeigen. Sie werden im späten Winter bei Bedarf ausgelichtet und beschnitten, (Schneidgeräte-Links zu Amazon) bevor dann das Blütenfest beginnt. Obstbaumschnitt (Buch-Link zu Amazon) von Anfang an ist ein wichtiger Bestandteil, um den Apfel lange gesund und ertragreich zu halten. Dafür ist richtig Leben in der Bude. Zumindest seitdem meine Bäume die letzten Jahre eine nennenswerte Blüte hervorgebracht haben. Alle möglichen Insekten sind fleißig dabei, sie summen und brummen, ernten und bestäuben.
Relativ schnell sieht man dann auch den Fruchtansatz und kann den ganzen Sommer das Wachsen und Reifen der Äpfel verfolgen. Im Sommer kann es sein, das der Baum sich „putzt“, d.h. sich von überzähligen kleinen Äpfelchen befreit, um den verbliebenen ein besseres Reifen zu ermöglichen. Am Anfang unserer Zeit als „Obstbauern“ haben wir immer noch versucht, dieses Putzen durch Wässern zu verhindern. Mittlerweile haben wir aber akzeptiert, das es für den Baum besser ist; wir am Apfelfall eh nichts ändern können und immer noch mehr als genug Äpfel für uns bleiben.

Malus domesticus "Roter Astrachan"
"Roter Astrachan" im Nebel

Da die Äpfel zu unterschiedlichen Zeiten reifen, blühen sie auch zu eben diesen unterschiedlichen Zeiten. So haben die bestäubenden und die Bäume anfliegenden Insekten einen langen Zeitraum, in dem sie sich ausreichend versorgen und ernähren können. Auch die Vögel freut’s, tragen sie doch eine reiche Insektenernte zu ihren Jungen.

Erntezeit ist Apfelzeit

Wenn es dann Ende August wird, streife ich schon immer ungeduldig um die Bäume und besonders um den „Astrachan“, denn der ist der erste, der seine Ernte an mich abtreten soll.
Ist ein Apfel erntereif, dann ist es sehr leicht, ihn am Stiel abzudrehen. Zieht also nicht zu stark am Apfel und reisst ihm gar noch Zweige mit ab. Lasst Euch Zeit und dreht mit Bedacht den Apfel ab. Das ist gesünder für den Baum.
Wie gesagt, mit dem „Roten Astrachan" beginnt die Apfelernte im August, mit der „Stina Lohmann" im November endet sie. Eine schöne Zeitspanne, in der wir in Äpfeln schwelgen, Mus bereiten, auf dem Dachboden in einem speziellen Schrank lagern und zu Apfelkuchen verarbeiten.
Nach der Ernte haben die Bäume ihre Ruhezeit und können über ihre Blätter noch Kraft für das nächste Jahr sammeln.
Im Winter bekommen sie dann noch eine gute Lage Mist auf die Baumscheibe, damit sie, wenn der Saft wieder schiesst, sich gut mit Nährstoffen versorgen können.

Malus domesticus "Golden Hornet"
Unser Zierapfel, 'Golden Hornet'

Äpfel benötigen möglichst eine freie Baumscheibe. Bei uns ist das unterschiedlich, die Hühner im Hühnergarten halten die Baumscheiben frei, die Bäume ausserhalb des Hühnergartens haben keine freie Baumscheibe. Vielleicht setzt das dem gelben Edelapfel zu, die anderen Bäume scheinen mir darunter aber nicht zu leiden.

Pflanzung und Verträglichkeit

Wichtig ist, wenn man Apfelbäume pflanzen will, das man die Verträglichkeit der Sorten untereinander beachtet. Da Bienen ja nicht nur von Blüte zu Blüte fliegen, sondern auch von Baum zu Baum, tragen sie die Pollen eben zu den fremden Bäumen. Diese Pollen sind für den anderen Baum von Nutzen oder nicht. Es gibt also einander „helfende“ Sorten und Sorten, die nichts miteinander zu tun haben wollen.
Damit die Bäume besser ansetzen, ist es hilfreich, einen Zierapfel mit zu pflanzen. Bei mir ist es der Zierapfel 'Golden Hornet'* . Der ist für jede Apfelsorte ein Gewinn und vergrössert als Pollenspender die Ernte.
PST!!! Falls der Nachbar einen Zierapfel bei sich stehen hat, oder der übernächste Nachbar, dann braucht Ihr Euch um Eure Sorten keine Gedanken zu machen, er wird auch Euren Bäumen gut tun…

Malus domesticus "Gelber Edelapfel"
Auch der "Gelbe Edelapfel" gibt, was er kann

Meine Apfelbäume sind noch jung, sie werden aber von Jahr zu Jahr schöner und werden immer individueller. Bis sie irgendwann einmal zum alten Apfelbaum werden, der noch fruchtet aber auch schon einige Löcher aufweist und halt altert. Ein alter Apfelbaum wird aber immer wertvoller, denn nun beginnen sich viele Tiere anzusiedeln, Vögel brüten, u.U. siedeln sich Fledermäuse an, das Käuzchen findet einen Platz und der Siebenschläfer auch. Ein Apfelbaum hat so einen hohen ökologischen Wert. Überlegt Euch, ob Ihr einen alten Apfelbaum wirklich schlagen wollt, oder ob nicht doch ein Rückschnitt und Erhalt mehr Nutzen bringt. Die Tierwelt dankt es. Im Grunde kann ein alter Apfelbaum, der wirklich keinen Ertrag mehr bringt, mit Kletterrosen unterpflanzt werden. Die wachsen in ihn hinein und lassen ihn prächtig dastehen, wenn sie blühen.

Falls Ihr Interesse an alten Apfelsorten habt und überlegt, welche Apfelsorte gut in Euren Garten in Euren Gartenboden passt, könnt Ihr Euch ganz wunderbar auf der Seite: Alte Obstorten (Link dorthin) umschauen. Dort gibt es viele interessante Informationen über alte Apfelosrten.


So ein Apfelbaum schenkt also viele Jahre lang und vielen, vielen Lebewesen Genuss und Wohnung. Schönheit und Nahrhaftigkeit.

Für unsere Kinder: "Äpfel sind soooooo gesund"!!!!

Ein Apfelbaum versprüht den legendären Optimismus Martin Luthers; das die Welt morgen ruhig untergehen kann, es bleibt IMMER Zeit, kurz vorher noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen.

 

Mit * gekennzeichnete Links führen zur Baumschule Horstmann

 

 


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