Aus dem Hühnergarten

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Der Hühnerstall gegen die Langeweile. Eine gartenphilosophische kleine Geschichte...

Wer steht im Tor? Eine Croad Langschan Henne

Der Garten brauchte Hühner, ganz klar!

Seit 6 Jahren sind sie bei mir -Hühner. Vorher hatte ich einen Garten. Da gab es Platz, da war etwas leer, da entstand eine Idee, da sollten Hühner die Leere füllen. Die beste Idee ever... Jedoch, vorher musste viel erledigt werden.

Der fertige Hühnerschrank

Als völlig blutige Anfängerin der Hühnerhaltung habe ich einige Bücher gelesen, mich mit Hühnerrassen und ihren Ansprüchen beschäftigt. Dann habe ich einen Freund und Nachbarn gebeten, mit mir zusammen einen Stall für die Hühner zu bauen, mein Talent ist da eher nicht vorhanden, geschweige denn Werkzeuge. Zwei Wochen lang haben wir einen schönen Stall gebaut und den dann mit dem Trecker auf die Hühnerwiese gestellt. Dahin, wo der Auslauf entstehen sollte. Der Stall sollte luftig, zugfrei sein und möglichst wenige Rückzugspunkte für Milben bieten.  Aus der Nachbarschaft bekam ich eine schöne Siebdruckplatte geschenkt, die als ein Stück die Bodenplatte ergab. Das gab dann so das Mass vor. Darauf haben wir die Ständer gestellt und nach innen mit OSB Platten ausgekleidet. Von Aussen gab es eine Lage Nut- und Federlatten. Alles schön mit Silikon abgedichtet. Die Tür wurde zweigeteilt, so das ein Flügel als Austauschtür für Sommer und Winter dienen kann. Im Sommer mit einem 1cm punktverschweissten Drahtgitter, im Winter mit einer Massivholztür gegen zu viel Schnee geschützt, konnte der Hühnerschrank meiner ersten Truppe als Stall dienen.

Australorphennen im Auslauf

Hühnern ist gute Luft sehr wichtig.

Sie haben eine höhere Körpertemperatur als wir Menschen und geben ausatmend viel Feuchtigkeit an die Umgebung ab. Da ist ein guter Luftaustausch existenziell, um eine gute trockene Stallluft zu erhalten, die der Gesundheit von Hühnern sehr gesundheitsfördernd ist. Da keine Zugluft entstehen darf, habe ich mich für diese Gitterlösung entschieden. Mittlerweile benutze ich kaum noch die Wintertür, denn Kälte macht Hühnern nichts aus, sie können lange mit tiefen Temperaturren umgehen. Nur wenn es gar zu arg hineinschneit, da der Stall nach Nordost ausgerichtet ist, wechsele ich die Flügel aus. Erschneien sollen sie ja auch nicht.
Der Hühnerschrank stand, ein elektrifiziebarer Zaun wurde um die ca. 350qm Auslauf gezogen und die erste Mannschaft konnte einziehen.

HUH! Ein neuer Chef im Stall

Es wurden 7 Australorps,

die als 7 Wochen alte Junghühnchen hier einzogen. 6 Hühnchen und 1 Hahn. Über sie hatte ich gelesen, das sie robust sind und eine gute Eierleistung von ca. 180 Eiern im Jahr hätten. Schön waren sie auch; ganz schwarz mit einem käferigen Glanz im Gefieder. Sie waren eine schöne ruhige Truppe, die den großen Hühnerauslauf genutzt haben, ohne ihn zu zerstören. Hühnern sagt man ja eine große Scharrfreude nach. Meine Australorps waren in dieser Hinsicht wahre Etepetete Damen. Alles immer schick und gepflegt und mähbar.

Black Jack - ein Prachtkerl

Das hat sich aufgrund der wechselnden Besetzungen bis heute sehr geändert. Aus meiner einst so leicht zu mähenden Hühnerweide ist heute eine Schlaglochfalle und Teststrecke für die Räder meines Rasenmähers geworden. Grün ist sie noch, aber gefährlich löchrig…
Nun, die Australorp waren nicht schuld. Der erste Hahn, starb früh an unerklärlichen Symptomen, es kam der nächste Australorphahn, den ich durch die gesamte Republik gefahren habe. Black Jack haben wir ihn genannt. Ein freundlicher Hahn zu den Menschen, sehr souverän und imposant aber leider ein Fiesling zu seinen Damen. Beim Treten hat er Ihnen allen die Halsfedern ausgerupft und ruppig war er auch. Er hat gleich zwei unterdrückt, so sehr, das sie nach einem Jahr den Stall nicht mehr verliessen und begannen, Eier zu fressen. Das war ihr Ende, an den beiden habe ich mir das Schlachten zeigen lassen und geübt. Keine schöne Erfahrung, die aber dennoch geübt werden musste, um auch in einem Notfall gerüstet zu sein. Black Jack hat sich dann aber die nächsten Damen ausgesucht und damit war für ihn Schluss.

Eine der Schrecksen nur vorbildlich mit ihren Küken

Es folgten ein völlig verrückter Bresse Gauloise Hahn, Mickey, der alles angriff, was sich bewegte und somit nicht geeignet war, da auch Kinder meine Hühner versorgten. Er war lecker...
Die Damentruppe hatte sich mittlerweile um zwei Deutsch Langschan und Croad Langschan und Bresse Gauloise Damen erweitert. Tolle Hühner, bis auf die beiden Bresse-Damen. Die waren völlig durchgeknallt, so sehr, das ich sie "die Schrecksen" nannte. Nur, wenn sie brüteten waren sie die vorbildlichsten Hennen und Glucken.

Der schöne Mr. Pringle

Zu diesen gesellte sich Mr Pringle ein wunderschöner Maranshahn. Er war alles, was das Herz der Damen höher schlagen liess, ein Gentleman, der seine Damen sehr fürsorglich führte und ihnen keine Feder krümmte!
Irgendwas ist ja immer: Er hatte einen einzigen Fehler - er krähte ab 4:00 morgens unablässig. Ein paar Nachbarn haben wir ja. Meinen Stall hatte ich so konzipiert, das er nicht in Schallrichtung der meisten Häuser steht. Das ist aber in der frühen Morgenstunde völlig unerheblich. Hahnenkrähen trägt weit. Zum Glück haben sich die Nachbarn nicht aufgeregt, sie blieben gelassen. Meine Nächte waren in der Zeit kurz, weil ich mich gesorgt hatte, das die Nachbarn nicht schlafen konnten. In dieser Zeit hatte ich mich dann in die Rasse der Kraienköppe verliebt, genau die Rasse, die ich bis heute hier wohnen habe.

Wandern mit Küken, Wagen und Gehege

Kraienköppe für den Garten

8 reinrassige Küken und 8 Mix-Küken mit einem Kraienkoppvater zogen in meinen neu gebauten Hühnerwagen und wurden liebevoll so lange durch den Garten gefahren, bis sie groß genug waren für das Gehege, ohne durch den Zaun schlüpfen zu können. 16 junge Küklein sind in der Regel nicht 16 junge Hennen, in meinem Falle waren es 8:8.

Ausbrechen ist anstrengend und erfordert Pausen

Das war eine aufregende Zeit, Küken aufziehen ist noch mal ein anderer Schnack als erwachsene Hühner halten. Sie haben ander Futtergewohnheiten, brechen gerne aus und schietern alles noch schneller voll. Deshalb musste der Wagen und das Gehege, das ich den Grünen Knast taufte, alle paar Tage umgestellt werden. Etwas arbeitsaufwendig aber auch klasse, denn es gab immer frisches Gras und der Boden wurde nicht völlig umgearbeitet. Aber, aus Küken werden Hühner und so viele Hähne konnten nicht hier bleiben. Hähne sind miteinander schwer verträglich und brauchen entsprechend viele Hennen, um nicht aufeinander loszugehen. Und die Hennen brauchen auch nicht so viele Hähne. Das wäre ein großes Kämpfen geworden, deshalb mussten einige Hähne ausziehen.

Mithelfen im Garten müssen sie schon

Einige Hähne

und ältere Hennen konnte ich vermitteln, andere gegen weitere Hennen tauschen, zwei habe ich selber behalten, Gandalf und Caramello. Das ging auch sehr lange gut. Mr. Pringle behielt die Herren gut unter Kontrolle. Doch dann wurde es einfach zu eng im Wagen und Hühnerschrank. Die Hühner, die ich habe, sind große Hühner, die brauchen schon Platz.

Große Hühner aus dem Grunde, das ein interessierter Greifvogel, erst mal an seine Rückenschmerzen denkt und lieber abdreht als sich so große Brummer mitzunehmen. Bis auf zwei Greifvogelangriffe ist es auch bisher gut gegangen. Jedesmal wurde der Greif von der Krähenflugabwehr vertrieben. Auch das sehr interessant. Die Krähen achten darauf, das ihre Reviergrenze von bestimmten Greifen nicht überschritten wird. Auf der anderen Strassenseite der Kreisstrasse, da dürfen sie fliegen und jagen, hier nicht. Ich bin froh, auf der richtigen Strassenseite zu wohnen...

Der Hühnerwagen war der Kindergarten

Ich entschied mich, Mr. Pringle in eine weitere Leitungsposition zu vermitteln, wo er echte Maransdamen beglücken konnte und garantiert von keinen weiteren Nachbarn gehört wurde. Ein Traumjob für ihn.
Damit begannen aber Gandalf und Caramello den Kampf um die Chefposition, die Caramello verlor. Der Kampf fand plötzlich und für mich völlig unerwartet statt. Bis dahin hatten sie sich gut verstanden, soweit ich das ersehen konnte. Den Kampf hat Caramello nicht überlebt, wir mussten ihn notschlachten. Gut, das wir das gelernt hatten.

Nun führt Gandalf sehr aufopferungsvoll seine Damen an, von denen alle bis heute ausgesprochen gute Legerinnen sind. Nach der letzten Aufstallpflicht im letzten Winter musste ich mich dennoch von einigen Hennen trennen, denn der Platz unter dem Baumhaus wäre einfach zu eng für alle geworden.
Derzeit habe ich 8 Hennen und Gandalf. Die laufen auf ca. 350 qm grüner Wiese im Obstgarten und werden hier noch für so manches Thema sorgen!

Ein paar Kükenbilder für Euch

zum Schluss:

Die kleine Eule, unser Sorgenkind, sie hat es ebenfalls nicht geschafft, heranzuwachsen.

Eine kleine Kraienkopphennie ruht vor dem Eingang des Wagens

Die kleine Whity chillte später ganz entspannt mit den großen im Auslauf

Pogo bekam später eine gute Leitungsposition, bis dahin verteidigte er schlafend seine Burgzinne

 

Wie sieht es bei Euch aus? Gibt es hier GärtnerInnen und HühenrhalterInnen?

Für mich bedeuten sie viel, denn

 

Hühner lehren mich viel! Über das Leben, die Verrücktheit, den Tod und über das Ei!


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