Aus Respekt ohne Chemie

von Gartenphilosophin (Kommentare: 2)

Es philosophiert sich in einem giftfreien Garten doch viel schöner

Gras blüht im Garten

Die Blogparade der Seite Naturgartenideen zum Thema "Blogger für giftfreie Gärten" hat mich angeregt, meine Gedanken dazu aufzuschreiben und an dieser Parade teilzunehmen. Wenn Ihr meinen Blogbeitrag gelesen habt, geht auf diese Blogparade, sie lohnt sich sehr, zu lesen!

Aber erst einmal hier:
GärtnerInnen sind jederzeit versucht, Chemie einzusetzen. Chemie verspricht Heilung und einen „gesunden“ Garten. Doch was ist Gesundheit, wenn ich sie nur mit Chemie erhalten kann?
Gehe ich in einschlägige Märkte, kann ich sehen, WIE GROß die Abteilung Chemie ist. Alles abgeschlossen und geschützt, weil es eben Gifte sind. Es stehen aber auch immer irgendwelche Berater davor und raten zu diesem oder jenem und der Kunde kauft.

Was ist es, das GärtnerInnen meinen, Gift versprühen zu müssen?

Keine Ahnung, wie viele Gifte Ihr benutzt, oder von mir aus auch „natürliche“ Stoffe.

Gänseblümchen
Gänseblümchen finden immer Liebhaber

Warum laufen wir Gefahr, auf Gifte im Garten zurückzugreifen? Meist, weil wir uns Arbeit erleichtern wollen, weil eine Pflanze krank oder befallen ist, weil wir irgendwelche Erträge steigern wollen. Oder schlicht uns noch nicht ausreichend mit einem anderen Gedankengang auseinandergesetzt haben: 

Das sich einstellen LASSEN eines Gartengleichgewichtes.

Hängeulme im Winter
Ein gesunder Garten bietet jederzeit einen schönen Anblick

Ein Garten im Gleichgewicht ist immer ein gesunder Garten

Um ihn zu unterstützen, sein Gleichgewicht herzustellen, können GärtnerInnen sich zuerst Gedanken über folgende Fragen machen: 

Was ist der Grund, das ich Gift versprühen möchte?
Was bedeutet mir mein Garten?
Was will ich in meinem Garten und von meinem Garten?
Was ist seine Natur?

Mit dieser Frage meine ich nicht die ungezähmte Natur, sondern den von uns geschaffenen Charakter des Gartens.
Wir haben uns den Garten geliehen, wir geben ihn weiter, so wie wir ihn bekommen haben.

Steinmauer
Steinmauern überdauern Generationen

Garten geht über Generationen

Über diese Generationen wandelt sich der Garten, er ist nie statisch, sondern immer in Bewegung. Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe von uns GärtnerInnen, ihn in diesen Wandlungen zu begleiten. Klar, wir GärtnerInnen wandeln ihn aktiv, der Garten wird aber innerhalb dieser Verwandlung bestrebt sein, ein Gleichgewicht wieder herzustellen. Chemie hilft da nicht weiter, sie blockiert diese Herstellung eines natürlichen Gleichgewichtes.
Meinen Garten habe ich nicht übernommen, ich habe ihn geschaffen, ich bin die erste Generation, die diesen Garten zum Leben erweckt.
Genau da beginnt die Frage,
WAS WILL ICH?
Wer soll in meinem Garten leben?
Was soll in meinem Garten leben?
Was will ich in und mit meinem Garten bewirken?
Wie will ich ihn weitergeben?
Diese Frage zu beantworten, bedeutet für mich, das ich schnell zu dem Schluss komme, KEINE Chemie einzusetzen.
Nämlich aus Respekt vor dem, was war, was ist und was sein wird.
Das heisst nicht, das ich am Anfang meiner Gärtnerinnenkarriere nicht auch zu Sprühdosen gegriffen habe. Auch ich dachte, ich helfe meinen Pflanzen, indem ich sie vor Krankheiten schütze. Natürlich habe ich die Dosen gekauft, die „Natürlichkeit“ in der Hege und Pflege versprachen. Doch das ist Augenwischerei, denn ich habe meinen Garten daran gehindert, sich selber zu entfalten.

Schwebfliege an Staudensonnenblumenblüte
Gifteinsatz im Garten bekämpft Insekten

Natürlichere Massnahmen waren deutlich hilfreicher!


Zum Beispiel den Rosen einen Standort zu geben, der zu ihnen passt. Die Rosen luftig zu pflanzen und sie auszulichten, das die Blätter nach einem Regenguss abtrocknen können. Das hat geholfen, das sie eben nicht von den diversen Rosenkrankheiten befallen werden. Gegen die ungeliebten Blattläuse muss ich nicht mit Chemie vorgehen, ich kann auch genauso gut gelassen warten, bis sich Marienkäfer und Larven einstellen, die es lieben, Blattläuse zu verschlingen.
Mein Fehler in den Anfangsjahren war, das ich Pflanzen nach ihrer Schönheit ausgesucht habe und meinen Boden da missachtet habe. Das kann ich lässig ändern: Mein Boden ist magerer Sand. Indem ich mir Pflanzen aussuche, die sich freuen, auf meinem Boden zu siedeln, helfe ich meinem Garten sich zu entwickeln! Da gibt es sogar viele Rosen, wie ich festgestellt habe. MIT dem Garten und seinen Möglichkeiten gärtnern, macht ihn stark. Chemie? Das Geld lässt sich anderweitig viel besser ausgeben und schafft Schönheit und keinen Dosenmüll.

 

Hummel und Chelonenblüte
Die Hummel liebt die Chelone im Herbst

An dem Ort, an dem nun mein Garten ist

war vorher eine Heuwiese. Es lebten Tiere dort und ich habe durch den Hausbau und die daraus entstehenden Veränderungen auch eine Veränderung der darin lebenden Tier- und Insektenwelt geschaffen; zum Leidwesen der einen, zu Freude der anderen. Was ich aber immer wollte, war, einen Hort zu schaffen, um Vielfalt in den Garten zu locken. In Zeiten, in denen viele meinen, ohne Chemie nicht wirtschaften zu können, ist das eine immer größere Herausforderung: Insekten zu locken und die nötigen Vorraussetzungen zu schaffen, das das angelockte Leben auch weiter leben kann.
Seit ich mich mit dem Bloggen beschäftige und mich vermehrt mit dem Insektenschutz auseinandersetze, wird mir klar, mit wie wenig Mitteln, wir viel erreichen können. Auch da stecke ich mitten im Wandel, lerne viel und freue mich schon auf die Garten-Saison, um Euch von den Veränderungen hin zu noch mehr Nützlichkeit, gepaart mit (hoffentlich) Schönheit berichten zu können!

Gewölle
Gewölle zeigt, das auch Greife im Garten sind

Mein Respekt steigt

je mehr ich mich damit beschäftige, was sich in der Natur zeigt. An Schönheit der Vielfalt aber auch an Nöten des Mangels. Warum nicht helfen, indem wir Anreize schaffen, das Insekten und damit nachfolgend auch Vögel und Kleinsäuger und Amphibien oder auch Reptilien sich ansiedeln können? Es ist eine Frage des Respektes ihnen gegenüber, denn wir leben in dieser Welt und eben auch mit ihnen. Ohne die Insektenwelt wird es uns immer schwerer fallen, einen natürlichen Weg der Bestäubung und den natürlichen Lebenszyklen der Natur zu erhalten. Indem wir den Insekten ihre Lebensgrundlagen streitig machen, bekämpfen wir uns doch nur selber. Aus Respekt auch vor den Menschen verzichte ich deshalb auf Chemie in meinem Garten. Mein Leben kann heutzutage kaum ohne Chemie gelebt werden, ich muss sie aber nicht auch noch aktiv einsetzen.
Klar, Chemie mit Respekt eingesetzt kann bei Krankheit heilen. Ein Gleichgewicht sich einstellen lassen und erhalten, schafft natürliche Gesundheit für Mensch und Tier, die sich aus sich selber heraus erhält. Das ist einfacher und benötigt Ruhe Gelassenheit, Vertrauen und ein bisschen Wissen. Ein Gleichgewicht schafft Vielfalt. Die kann ich nicht erzwingen. Ich kann sie zulassen!

Meinen Garten muss ich irgendwann verlassen

Mein Bestreben wird es daher sein, ihn im bestmöglichen Gleichgewicht an die nachfolgende Generation zu übergeben, aus Respekt vor diesen Nachfolgern. Sie übernehmen einen Garten, der sein Gleichgewicht gefunden hat und können ihn nach ihren Vorstellungen weiter bewirtschaften. Meine Hoffnung ist, das sie seine Fähigkeiten, Gleichgewicht zu schaffen, respektieren. Darauf habe ich jedoch keinen Einfluss, ich kann ihn nur in meiner Zeit erhalten und dann weitergeben. Will ich Gesundheit weitergeben, dann erhalte ich meinen Garten mit natürlichen, standortgerechten Pflegemassnahmen im gesunden Gleichgewicht.
Da hat Chemie keinen Platz, aber mein Respekt vor dem, was in meinem Garten lebt, kreucht und fleucht, wächst und gedeiht; dieser Respekt soll sichtbar bleiben.

Respekt aus Liebe zu dem Leben der Tiere, Menschen und Pflanzen.

 

 

Weiterführende Literatur:

 

 

 

Damit Ihr nicht hochscrollen müsst...

Hier noch einmal der Link zu der Blogparade von Naturgartenideen: Blogger für giftfreies Gärtnern


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Sabine

Von: Sabine

Am:

Um: 20:45

Sehr schöne Gedanken zu diesem Thema.
Wenn ich so nachdenke, mein Garten war komplett bebaut. Er ist da, wo früher Kuh- und Pferdestall und die Scheune waren. Bei der ersten Umgestaltung habe ich noch jede Menge Schutt rausgeklaubt, Ziegelbrocken und Steine. Reste sind noch zu erkennen, zum Nachbarn hin steht noch die Bruchsteinwand, die einst die Rückwand vom Stall war. Dort sind auch noch Sandsteintränken, in denen jetzt Lavendel, Efeu und Goldlack wachsen. Beides wurde schon von meinen Großeltern abgerissen und ich führe ihren Weg fort, diesen Teil vom Grundstück als Garten zu nutzen. Gift hat da nichts zu suchen...
Nachdenkliche Grüße,
Sabine

Antwort von Gartenphilosophin

Guten Morgen, Sabine!

Das hört sich spannend an, zu dem Thema "Garten in Generationen" gedacht! Schön, das Du den Garten giftfrei weiterführen willst!
In meinem Kopf entsteht ein ganz romantisches Bild dieses Ortes in Deinem Garten!

LG
Ulrike, die Gartenphilosophin

Izabella

Von: Izabella

Am:

Um: 13:39

Liebe Ulrike,
Genau, wie du, haben wir auch auf unser Grundstück ein Haus gebaut. Davor war hier ebenfalls wilde Wiese und auch 5 sehr stattliche Bäume. Für mich ist das nur natürlich, dass ich den Lebewesen nun erneut Platz schaffe und sie nicht weiter verdränge. Immer weiter, schneller und mehr hat irgendwann einfach seine Grenzen erreicht. Das sehen wir ja gerade und lesen darüber täglich!
Danke also an deinen Beitrag und dass du die Leser daran erinnerst, dass nicht nur wir zählen!
Viele Grüße, Izabella

Antwort von Gartenphilosophin

Liebe Izabella,

ja, es ist schöner und freundlicher, wenn wir uns bewusst sind, das ein Haus Platz braucht und wir etwas verdrängen. Genauso können wir aber auch beginnen, an diesem Ort mehr Vielfalt zu schaffen. Da freue ich mich dann sogar über ein weiter, schneller lauter. Nämlich die der vielen weiteren Insekten, die sich dann hoffentlich anfinden. Schön, wenn es viele Leute gibt, die das mit mir teilen, denn dann haben wir vielleicht eine Möglichkeit, gemeinsam etwas zu schaffen, um wenigstens Inseln der Regeneration für Insekten zu schaffen!

 

LG
Ulrike