Der Garten - Refugium der Ruhe oder ein Kampfplatz?

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Was ist der Garten für Euch?

Refugium= Zuflucht, Zufluchtsort

Euonymus alatus im Garten der Gartenphilosophin
Möchte der Korkflügel-Spindelstrauch so leben...?

Blattläuse bekämpfen, Wühlmaus und Maulwurf bekämpfen, die Ameisenplage beseitigen, Sternrußtau und Mehltau wegsprühen, ist dieses Insekt gefährlich?
Überträgt es Krankheiten, muss es weg?.

Ist der Garten mein Feind oder Freund?

 

Hortus-Netzwerk
In Ruhe stehen lassen...

Wollt Ihr euren Garten zu einem Refugium der Ruhe gestalten? Anregungen für Pflanzen findet Ihr in meinen Blogartikeln oder gleich hier in dem Link zur Baumschule Horstmann!

Wie seht Ihr euren Garten an?


Ab dem Frühjahr werden die Blätter nach Läusen abgesucht, um sie weg zu machen?

Die Rosen werden eingesprüht, um Mehltau und Rost zu begegnen? Schneckenkorn gegen Schnecken, Glyphosat auf die Auffahrt gegen das lästige Unkraut?
Die Ameisen müssen weg, denn die sind schädlich, weil sie alles unterhöhlen, genau wie der Maulwurf und die Wühlmaus.
Die sind ja noch besonders schädlich, denn sie fressen die Wurzeln und bringen so die Pflanzen zum Absterben.
Aus den Beeten wird alles entfernt, was nicht im Gartencenter für teuer Geld erstanden worden ist. Der Teich wird mit viel Aufwand irgendwie am Leben erhalten, die Rhododendren gegen Zikaden gespritzt.

Der Rasen mit dem Mähroboter in Form gehalten, jedes Kräutlein wird gleich weggemacht.

 

Blattläuse im Garten
Blattläuse sind nicht schädlich

Krieg oder Frieden im Garten?

Letztens habe ich einen Buchtitel gelesen, der den Garten als Kriegsschauplatz umschrieb. Dieser Gedanke verfolgt mich. Nun seit Wochen, und ich habe nachgeschaut, wie ich mit den Widrigkeiten, die die belebte Natur auch in meinem Garten für mich bereithält, umgehe.
Sicher, ich kann Euch in vielen meiner schwärmerischen Beiträgen hier die natürliche Schönheit meines Gartens anpreisen. Er IST schön. Schön für mich und auch schön für meine Gäste, die einen Blick und Herz dafür haben, das ein Garten nicht so auf- oder ausgeräumt sein muss. Ich bin sicher, das viele Menschen ihn auch für chaotisch halten und ungepflegt.
Was ist ein Garten?

Hortus-Netzwerk
Schöne Bilder ergeben sich auch von allein

Was ist er für Euch?

Für mich ist der Garten ein Ort, um zu mir zu kommen. Das Arbeiten in der Erde, die Gedanken um Pflanzen, und Tiere meines Gartens und was ich mit ihm ändern möchte. Meine besten Gedanken habe ich, wenn ich im Garten arbeite. Leider vergesse ich sie genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind, Stift und Papier sind irgendwie immer zu weit weg...
Die Kommunikationsbereitwilligkeit meines Gartens, mich in Fragen mit seinen eigenen Antworten zu unterstützen oder zu begrenzen, auf seine ihm eigene Art und Weise, das macht den Garten zu einem Ort der inneren Ruhe und dem nach Hause kommen zu mir.

Das kann sich aber nur einstellen, wenn ich die Lebendigkeit nicht als Feind betrachte, sondern als Gegebenheit, die ich nutzen kann!


Grünspecht im Garten
Der Grünspecht freut sich im Winter über Ameisen

Wenn ich alles bekämpfe, was in meinem Garten lebt, dann komme ich so lange nicht aus dem Kampf heraus, bis ich begreifen kann, das Gelassenheit die eigentliche Garantie für die Schönheit eines Gartens ist.

Denn - lasse ich die Blattläuse einfach in Ruhe, fördere ich den Marienkäfer, denn seine Larven und die der Florfliegen auch, leben von ihnen. Die Ameisen, die die Blattläuse auch lieben und sie hüten, werden im Winter vom Grünspecht gefressen, der dazu die Wiese löchert, um an den Leckerbissen heranzukommen. Das Löchern dient gleich als Belüftung.

Der Maulwurf macht unterirdisch Jagd auf Wühlmausjunge und hält sie dadurch in Schach. Seine aufgewühlte Erde ist die Anzuchterde im Frühjahr für meine Keimlinge.
Ich gebe zu, sich damit zu arrangieren hat auch mich etwas gekostet und ich musste da Gelassenheit wirklich üben. Es geht aber, ehrlich...

Ameisen an der Pfingstrose, Päonie
Ameisen lieben Pfingstrosenknospen, ohne das es ihr schadet

Was ich sagen will:

Viele „Lästlinge“ finden bei gelassener Gärtnerei ihre Fressfeinde, die sie mit Genuss verspeisen und somit ihr Auskommen im Garten haben. Das bedeutet nämlich auch, das wir sie in unseren Gärten finden und sie so fördern können! Unsere Gärten werden lebendiger, je mehr Vielfalt wir zulassen können!
Das ist das ganze Geheimnis!
Es spart Geld, und fördert seine Schönheit. Denn sogar einiges Kraut hat eine große Bedeutung für die Vielfalt. Betrachten wir ein Kraut auf der Basis seiner Nützlichkeit, dann erkennen wir, das es auch Wildbienen oder andere Insekten anzieht, diese wiederum Vögel und die dann Nachbars Katze. Entschuldigung, ein doofer Scherz…

Gärten des Grauens
Grau und tot... möchte der Korkflügel-Spindelstrauch so stehen?

Gärten sind so vielfältig wie das Leben

Es gibt sehr formale Gärten, wilde Gärten, Naturgärten, zauberhaft verwunschene Gärten und die toten Steindinger, die ich nicht mal mehr Garten nennen kann, obwohl sie um ein Haus herum aufgeschüttet sind.
Ich frage mich immer, WER fühlt sich auf oder in Steinen wohl? Welche Gemütlichkeit oder die Seele ansprechende Atmosphäre geht von solche einem „Garten“ aus?
Steingärten sind auch eine Art Arena, gegen die Vielfalt.
 Die Steine von Aufwuchs frei zu halten, oder eingewachsenes Kraut aus dem Vlies zu pulen; das ist eine echt unangenehme Arbeit.

Hortus-Netzwerk
Ein wilder Anblick, der schön bunt daher kommt!

Je mehr ich den Garten und seine Bewohner als Gegner betrachte, umso mehr werde ich anfangen zu kämpfen. Da geht viel Zeit und Geld für ins Land. Dieses Geld und die Zeit gebe ich lieber in einer Gärtnerei meines Vertrauens aus und die Zeit, die mir nach dem Pflanzen bleibt, ist die Zeit, die ich philosophierend und geniessend im Garten verbringen kann. Einfach nur sitzend und mit offenen Sinnen, oder photographierend oder mit meiner Lieblingsbeschäftigung; Kaffee trinkend und philosophierend.

Hortus-Netzwerk, Knüppelburg
Die Knüppelburg fördert auch Nützlinge

Es ist eine Frage des Herzens!

Was will ich in meinem Garten, was will ich MIT meinem Garten?
Will ich gegen ihn leben oder mit ihm?
Will ich nach Aussen auf seine Perfektion verweisen, oder
will ich ihn für mich und mein Inneres gestalten?

Diese Betrachtung macht aus meinem Garten entweder ein Refugium oder einen Arbeits- oder gar Kampfplatz. Will ich erzwingen, das diese und das genau dort stehen soll, dann muss ich u.U. den Garten und die Pflanze mit allen Mitteln dazu bringen, DA zu wachsen und zu leben. Gegen die Natur einer Pflanze und auch gegen die Natur meines Gartens anzuarbeiten bedeutet meist, Chemie und viel Technik einzusetzen. Pflanzen am falschen Platz kümmern vor sich hin und GärtnerInnen müssen viele Mittel einsetzen, die Pflanze dort zu halten. Steht eine Pflanze allerdings am richtigen Ort, dann habe ich etwas Arbeit, sie dort zu etablieren und ich muss ihr nur mit Wasser etwas Starthilfe geben. Dann aber kann sie sich dort entwickeln. Manchmal durch Versamung auch an einem überraschenden anderen Ort.

Hortus-Netzwerk
Hat sich von selber eingestellt, die Taubnessel

Arbeite ich also mit meinem Garten, dann entwickelt sich daraus ein Miteinander und es entstehen ganz eigene Gärten, die immer eine Freude darstellen, wenn man sich in ihnen befindet. Sie bieten einen Ort der Beobachtung und des Lernens.

Hoffentlich konnte ich Euch in diesem Jahr ein bisschen für die Insekten meines Gartens begeistern, die ich entdeckt habe.
Für mich ist es eine unglaubliche Bereicherung. Mein Garten hilft mir so, auf andere Ideen zu kommen, er hilft mir, seine Natur kennen zu lernen und er hilft mir, meine Kreativität herauszufordern, um an weiteren Ideen zu arbeiten.
Was ist der Garten für Euch?

Habt Ihr einen Garten, der Euren inneren Wünschen entspricht?

Mein Garten ist mir ein Zufluchtsort für Gedanken, Leben, Wissen und Gefühle geworden.

 

 

 

 


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