Der Hortus appendix stellt sich vor

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Wachstum im Herbst, der Hortus appendix stellt sich vor



Schon seit einigen Monaten habe ich meinen Plan verfolgt, meinen Garten zu erweitern.

Um ein interessantes Stück Natur (?)
Es ergab sich die Gelegenheit, eine Brache an der Kreisstraße zu erwerben, die in all den Jahren, in denen wir hier leben, einmal im Jahr gemäht wurde. Sonst blieb sie sich selbst überlassen. 
Ob das nun Natur ist, ist eine philosophische Frage, darüber denke ich noch mal nach. Unberührt ist es da natürlich nicht.

Blick über den Hortus appendix
Ein Blick über die Brachfläche des Hortus appendix

Auf der Ostseite mit Eichen und Weiden bewachsen, und gen Westen mit einer etwas hingehunzten Kastanie. 
Die darf ab jetzt wachsen, wie sie lustig ist. Die Eichen dürfen ebenfalls weiter Eichen bleiben. Einzig die Weiden müssen mal bearbeitet werden, da ist viel toter Kram drin.

 Den schneide ich im Spätwinter aus und stapele ihn als Tothilz daneben.

Hortus appendix
Ehrenpreis sieht im Frühjahr sehr belebend aus

Beobachtungen im Hortus appendix

Seit dem Frühjahr habe ich das Stück beobachtet und geschaut, wer und was dort lebt und wächst. Zuerst einmal Gras. Das ist super, denn wir haben es immer schön als Frühstück für die Pferde gesenst.
 Neben dem Gras gab es gar nicht so viele verschiedene Wildpflanzen, ein paar Hirtentäschel, etwas Ehrenpreis, etwas Braunwurz und dann im Herbst Rainfarn. Ach, eine kleine Königskerze.

Hortus appendix
Braunwurzsamen

So ganz üppig ist das nicht.
 Um das zu ändern, habe ich als erste Massnahme im Frühjahr schon eine Wildblumenmischung ausgesät, die hoffentlich im nächsten Jahr die ersten Blüten zeigt.


Aurorafalter
Aurorafalter

Auch die Menge der Insekten war nicht so vielfältig. Viele Feuerfalter, ein paar Aurorafalter und Kleine Wiesenvögelchen  lebten dort, der Pappelblattkäfer stellte sich mir neu vor und einige Sandwespen. Hummeln waren in der Kastanienblütezeit dort zu finden und ein paar Kleinchen sassen in der Wiese und philosophierten so für sich…

Hortus appendix
Schnaken leben dort

Allerdings: Heuschrecken waren in Mengen anzutreffen, und viele Schnaken.

Da der Grasanteil sich mit offenen Bodenstellen abwechselt, kommt das vielen Insekten entgegen. Grashüpfer mögen die Wärme des offenen Bodens. Sandwespen legen ihre Brut gerne dort hinein. Natürlich gab es viele Fliegen und dann ab Herbst ebenfalls einige Spinnentiere.

Hortus appendix
Abfliegende Wanze

Insgesamt ist es jedoch in meinem Garten vielfältiger.
 Das möchte ich nun auch für diesen Gartenteil erreichen. Den nenne ich Hortus appendix. Der Teil, der eher so angehängt -angezipfelt- an den Hauptgarten ist.
 Appendix eben.
 Er liegt abseits aber doch erreichbar. Von dort aus kann sich Vielfalt ebenso gut einfinden und ausbreiten.

Hortus appendix
Die Zauneidechse habe ich entdeckt, ganz in der Nähe

Ein Hort für Zauneidechsen

Nun im Herbst ist eine gute Zeit, mit der Umgestaltung weiter zu machen. Ganz in der Nähe habe ich im September Zauneidechsen entdeckt. Für die möchte ich eine Möglichkeit schaffen, das sie sich auch im Hortus appendix ansiedeln können. 
Zauneidechsen lieben offenen sandigen Boden und siedeln gerne in aufgelassenen Mauselöchern. Sie mögen Sonne, Wärme, Steine und lichte und verkrautete Areale in ihrer Nähe.

Zauneidechsen
Ein sonnenbeschienener Platz - der Hortus appendix

Der Raum, in dem sich Eidechsen bewegen ist relativ eng gefasst. Ihr Bewegungsradius beträgt so um die 500 - 1000 m zwischen einzelnen Populationen. Da kommt der Hortus appendix genau richtig und ich will meinen Teil dazu beitragen, das sie sich verbreiten können.

Hortus appendix
Kastanienblüte mit Hummel im Frühjahr

Diese Woche waren einige Erdarbeiten auszuführen. Mein Pferdepaddock brauchte neuen Sand und erfuhr eine Flächenerweiterung. Es wurde dafür Mutterboden und Sand hin und her gefahren. 
Der Paddock-Sand war nun lange Zeit in dem Paddock und ist eine Mischung aus allem organischen Material, das in der Pferdehaltung anfällt.

Kastanienknospe für das nächste Frühjahr
Die Kastanienknospe erzählt vom nächsten Frühjahr

Dieser Sand wurde in den Hortus appendix gebracht und auf einen Haufen gelegt. Es ist ein Versuch, ihn als Eidechsen-oder Insektenburg nutzbar werden zu lassen. Ob das Material das zulässt, wird sich zeigen.



Achtung: Wundert Euch nicht! Die Bilder geben eher einen Überblick über den Hortus appendix als über die Baumassnahmen

Hortus appendix
Sand für vielfältiges Leben

Dort lagert er nun, kann sich über den Winter setzen und vielleicht auch schon mal von der ersten Mäusefamilie belegt werden. Da gibt es in diesem Winter sicher genug Mietinteressenten, denn Mäuse haben wir in diesem Jahr mehr als genug.


Pappel-Blattkäfer im Hortus appendix
Der Pappel-Blattkäfer hat sich vorgestellt

Zu dem Sandhaufen werden wir noch Steine stapeln. Von dem Bau der Besetzbaren Kräuterspirale (Link) sind noch viele Steine übrig geblieben, die werden wir als Winterarbeit umschichten. Einen Totholzbereich müssen wir auch noch schaffen. Steine, Sand und Totholz bieten die besten Möglichkeiten, sich zu verstecken und zu sonnen. HOFFENTLICH schaffe ich es, sie durch diese Massnahmen dauerhaft anzusiedeln. Das wäre schön, denn Zauneidechse sind nicht so häufig anzutreffen.

Eichenwäldchen im Hortus appendix
Auch die Eichen bieten viel Lebensgrundlage

Zauneidechsen im Hortus appendix helfen

Habe ich sie in der Nähe, dann kann ich etwas tun. 

Ihre Vorlieben kommen auch mir entgegen, denn sie lieben sowohl die freie Fläche auf Sand und Steinen aber auch Krautflächen, die nicht häufig gemäht werden. Dort finden sie Nahrung und Schutz.
Da ich eine Freundin dieser Art WIese bin, kann ich gut stehen lassen oder selten mähen, um ihnen den Lebensraum zu ermöglichen, in dem sie sich wohlfühlen können.

Kleinchen im Garten der Gartenphilosophin
Dieses Kleinchen hat sich mir leider nicht vorgestellt



Das sind die einzigen Dinge, die ich in diesem neuen Gartenteil für diesen Winter erledigt habe.

Ansaat von Wildblumen, einen Anreiz für die Ansiedlung der Zauneidechse schaffen, ansonsten abwarten.
Viel Tee trinken…



Hortus appendix
Platz für Bäume ist noch genug!

Obwohl, während ich das schreibe, schreit eine Stimme in mir, das ich doch noch ein paar Gehölze pflanzen sollte.
Das stimmt, da steht noch was an. 
Ein paar Gehölze, die Vögeln im Winter Nahrung bieten muss ich noch aussuchen. Noch ist es eine gute Zeit, wurzelnackte Pflanzen auszusuchen. Das mache ich diese Tage und werde Euch berichten, was noch vor dem Winter einziehen wird.
Auf alle Fälle wird es eine Eberesche geben, die haben so schön leuchtende Früchte und ist ein sehr wertvoller Baum für Insekt und Vogel.

Kleines Wiesenvögelchen im Garten der Gartenphilosophin
Das Kleine Wiesenvögelchen zeigte sich auch

Dem Insektensterben begegnen

Auch noch einmal aus aktuellem Anlass:

Das Insektensterben wird im Moment wieder diskutiert. Deshalb mein Tipp!

Jede Pflanze, die Ihr pflanzt, hat meist eine natürliche Form. Versucht, diese zu finden und zu pflanzen. Durchgezüchtete Pflanzen laufen Gefahr, auf Kosten der Nektar- und Pollenmenge gezüchtet worden zu sein.

Spinne mit Beute
Eine Spinne lebt ebenfalls von Insekten...

Natürlich kann man sich nun über die Quadratur wundern: Im Hortus appendix tue ich etwas für die Zauneidechsen, die sich bekanntlich von Insekten ernähren und hebe trotzdem den Zeigefinger, etwas gegen das Insektensterben zu tun...
Sich für eine vielfältige Welt der Insekten einzusetzen bedeutet, unsere Welt zu erhalten, wie es in der Möglichkeit eines jeden von uns steht!
Natürlich leben viele Tiere von Insekten, sie stellen aber auch eine Lebensgrundlage für diese dar.
Es steht das Eine dem Anderen nicht entgegen, sondern die einzelnen Möglichkeiten stehen nebeneinander und helfen sich gegenseitig.

Rainfarn
Rainfarn ist ein sehr lebendiger Ort

Im Garten der Gartenphilosophin und dem Hortus appendix wird nach dem Hortus-Prinzip (Link zum Hortus insectorum) gegärtnert, das sich für Vielfalt, Schönheit und Nutzen einsetzt. Ziele, die ich teile und befürworte. Das Ineinandergreifen der Lebensorte für verschiedene Tiere und eine Förderung der Ansiedlung möglichst vieler verschiedener Tiere, gefällt mir sehr gut. So kann sich Schönheit auf der Basis von Natürlichkeit einstellen, der Garten wird zu einem Ort, in dem sichvielfältige Lebendigkeit einstellt.
Mir gefällt das.

Der neue Hortus appendix steht für sich, doch im Verbund mit weiteren Lebensinseln für Pflanzen und Tiere!


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