Der Osterspaziergang

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Der Osterspaziergang

Osterei vor Hyazinthe, Gartenphilosophin

Vom Eis befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.

Austrieb Krokus,

Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:


Kornellkirschblüte, Gartenphilosophin

Aus niedriger Häuser dumpfer Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Biene besucht Krokus, Gartenphilosophin

Sieh nur, sieh! Wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfes Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein!

(Johann Wolfgang von Goethe)

gelbe Iris, Gartenphilosophin

Euch Allen ein wunderschönes Osterfest, es ist die Zeit, in der sich Natur ihre Bahn bricht und auch wir GärtnerInnen geniessend nach Draussen gehen. Deshalb finde ich Goethe so schön passend, auch wenn wir am Ende des Tages kaum noch bunte Kleidung tragen;

eher erdfarben - dafür aber glücklich!


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