Die Farbe Rot - die Ernsthafte

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Die Farbe Rot - Stärke und Kraft im Garten

Rote Pilzkeramik
Ein roter Keramikpilz

Jetzt ist ja noch Winter, es ist lange meist Dunkel. Die Zeit, die ohne Sonne und Schnee gerne auch mit „Grau“ beschrieben wird.
Zeit also, sich mit Farbe auseinanderzusetzen, hier mit Farben im Garten.
Da dachte ich noch, ich schreib mal einen Artikel über ROT. Nur, einen Artikel mal eben über eine Farbe zu schreiben, ist völlig naiv gewesen. Was tut sich da für eine Welt auf, das ist Stoff für ein Buch!
Hier nun also ein Versuch, dieses Thema irgendwie kurz zu beschreiben:

Rote Haselnuss
Die rote Haselnuss ist die Erste

Alle Farben haben eine Wirkung auf den Betrachter, denn sie sprechen direkt unsere rechte Gehirnhälfte an, die im Rot vieles erkennt und der linken Gehirnhälfte meldet, die das dann analysiert, was diese Farbe ausmacht.

Rot ist im wahrsten Sinne des Wortes eine spannende Farbe. Sie signalisiert uns im positiven Falle Liebe, Sinnlichkeit, Energie und Kraft, im schlimmsten Falle verbinden wir die Farbe mit Wut, Kampf Macht, Feuer und Krieg.
Rot ist das Blut, Rot ist die Romantik eines Sonnenunterganges. Wenn wir unter großem Stress stehen, dann können wir schon einmal rot sehen und durchdrehen. Ihr könnt leicht erkennen, das der Mensch durch die Farbe Rot hin und hergerissen ist. Sie ist die Ernsthafte unter den Farben, selten verspielt oder leicht.

Rot wird im Farbspektrum durch den Menschen als erste der Farben wahrgenommen. Vielleicht „springen“ wir deshalb auf diese Farbe auch sofort und zuverlässig an.

Euonymus alatus mit Beeren
Der Euonymus alatus mit seinen Beeren

Bedeutung der Farbe Rot

Reines Rot kommt in unserer europäischen Natur selten vor. Rote Früchte können Gefahr signalisieren aber auch zum Gefressen werden verführen. Das finde ich spannend, wie z.B. Vögel das auseinanderhalten können. Sie tun es aber. Sie unterscheiden scharf zwischen geniessbarem und ungenissbarem Futter. Das kann daran liegen, das sie eine deutlich differenziertere Farbwahrnehmung haben als wir Menschen. Vielleicht sehen sie in der Hagebutte ein ganz anderes Rot als zum Beispiel in den ähnlich roten Beeren meines Spindelstrauches Euonymus alatus*.

In der Tierwelt ist sie ebenfalls eine starke Signalfarbe. Insekten schützen sich, indem sie mit Rot vor ihrer Gefährlichkeit und Giftigkeit warnen. Bei anderen Tieren steht sie aber auch für Attraktivität und hohe sexuelle Energie, wenn man sich z.B. bei den Vögeln umsieht.

Rot steht auch aus menschlicher Sicht für Attraktivität, Reichtum und Macht, sie hat auf uns eine sehr starke Wirkung, wir stehen da in nichts den Vögeln oder den Käfern nach.

Roter Hartriegel
Roter Hartriegel hat einen starken Auftritt

Deshalb ist Rot im Garten eine begehrte Farbe aber auch eine Farbe, die nicht zu stark eingesetzt werden sollte. Rot macht den Garten spannend, zuviel Rot wirkt aber zu stark auf uns und wir beginnen, uns nicht mehr wohl zu fühlen. Aus der eigentlich warmen Farbe wird dann eine erdrückende flammende Farbe, wir empfinden das Zuviel an Rot dann als unangenehm. Die Farbe hat eine Dominanz, wenn sie zu stark und ausgeprägt vertreten ist. Rosa, die ja eine sehr abgeschwächte Form der Farbe rot darstellt, hat das Problem nicht, sie wirkt eher fein, bis im Zuviel kitschig. Auch da muss aufgepasst werden und die betreffenden Pflanzen mit Bedacht gewählt und kombiniert werden.

Was ist Rot?

Rote Pflanzen finden sich im Garten in Form vieler Pflanzen und Früchte an. Karotten sind rot, viele Beeren sind rot, Blüten und auch die Blätter einiger Pflanzen verfärben sich im Herbst rot, bevor sie fallen.Wie dieser Hartriegel* oben zum Beispiel. Nach bestimmten Theorien werden im Herbst die für die rote Farbe verantwortlichen Anthozyane sichtbar, die bis dahin durch das grüne Chlorophyll überdeckt wurden. Anthozyane sind ein antoxydativer Farbstoff. Sie helfen im Sommer die Pflanze vor zu viel Hitzestress zu bewahren, indem sie freiwerdende Freie Radikale binden. Wir merken uns: Auch Pflanzen haben Stress mit zuviel Sonne und sich entwickelnden Freien Radikalen. Diese Anthozyane färben die Blätter dementsprechend? Rot!

Rote "Nostalgie"-Knospe
Die Rose 'Nostalgie' ist als Knospe rot

Was passt zu Rot?

Die klassische Pflanze, mit der wir rot symbolisieren ist die rote Rose. Sie ist das Sinnbild für alle oben genannten Gefühle und Ausdrucksformen.
Rote Rosen* im Garten, rote Blüten z.B. der Weigelien, Akelei, Adonisröschen, Zierquitten*, etc. laden ein, näher hinzuschauen und zu geniessen, aber am besten flankiert mit anderen Pflanzen und Blüten, die die Wirkung etwas nehmen und Ausgleich schaffen.
Wir wollen ja keinen Alarm auslösen, sondern Wohlgefühl.

Der rote 'Boiken' vor grünen Blättern strahlt besonders appetitlich

Zu Rot passen leichte ausgleichende Farben, natürlich das Grün, aber auch braun und rosa. Diese Farben gleichen die Kraft von rot aus und verteilen die auftretende Energie gleichmässig.
Ein flammend roter Farbpunkt wirkt dadurch spannend aber nicht dominant.
Es ist ein bisschen wie um ein Feuer sitzen wir finden das gemütlich und warm und sozial. Wird das Feuer aber zu groß, macht sich Unbehagen breit, wir rücken auseinander, wir entfernen uns und beginnen, uns zu schützen vor dem Zuviel an Energie. Das löst Unwohlsein aus.
So ist das auch im Garten. Mit Bedacht eingesetzt wärmt rot, ein Zuviel erschlägt.

Himbeeren
Ohne rote Himbeeren geht gar nichts

Aber, rot mit ausreichend Begleitgrün wirkt wunderbar beruhigend auf uns. Im Grunde lieben wir die Spannung, da aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Zuviel dieser temperamentvollen Farbe benötigt Ausgleich, Beruhigung, Kühlung. Da ist Grün ganz hervorragend geeignet.

Hagebutten der Rosa canina
Hagebutten und Äste passen auch farblich sehr gut zusammen

Braun, wie es sich im Geäst zeigt hat ebenfalls eine sehr ausgleichende Wirkung. Die Zweige einer wilden Rose dienen als wunderbare Kulisse und dämpfen doch die Farbgewalt vieler Hagebutten.
Rot und Gelb passt kaum, denn es es entsteht sehr viel Lebhaftigkeit, die abgeschwächt und harmonisiert werden möchte. Es gibt GärtnerInnen, die gerne „Flammenbeete“ anlegen. Meist sind diese Beete nicht sehr groß, zumindest kenne ich keine großen Flammenbeete. Das liegt vielleicht daran, das wir es hier im Norden gerne etwas kühler haben. Das kann aber auch daran liegen, das ein Flammenbeet eine starke Wirkung hat.
Rot und blaue Töne wird meist ebenfalls nicht als angenehm empfunden. Blau tritt ja noch seltener im Garten auf, passt aber selten wirklich mit Rot zusammen. Blau hat eine sehr beruhigende kühle Wirkung, selten harmoniert es mit Rot.
Also bleibt Grün.
Das Schöne am Garten ist ja, das es einfach grün in allen Schattierungen gibt, so das rot blühende Pflanzen meist gut eingebunden sind.

Rose 'Edward Elgar'
Die schöne Rose 'Edward Elgar'

Welche Pflanzen in meinem Garten vertreten nun den roten Farbaspekt?

Hmmm… so ganz reines Rot findet sich bei mir kaum, die knallroten Rosen gefallen mir nicht so richtig, meine Rosen sind eher von tiefem Rosa, wie z.B.die ‚Edgar Elgar’ oder die ‚Rosarium Uetersen‘*. Das Frühjahr beginnt mit der Blüte der roten Haselnuss, auch wenn die nicht stark im Rot ist. Auch die Zierjohannisbeere 'King Edward VII' * hat ihren großen, roten und heiss umschwärmten Auftritt.

Weigelie 'Bristol Ruby'
Die weigelie "Bristol Ruby"

Im späteren Frühjahr haben meine Weigelien ‚Bristol Ruby’* ihren großen Auftritt, sehr beliebt bei Insekten. Die herbstliche Kombination mit der lilafarbenen Aster ist gewöhnungsbedürftig, aber im Hinblick auf fleissige Insekten, die da keine Wertung abgeben auch wieder schön. Farbige Kombinationen liegen wohl auch im Auge des Betrachters.

Euonymus alatus im Herbstlaub
Der Euonymus alatus im Herbstlaub

Richtiges Rot findet sich bei mir eigentlich erst im Herbst im Garten wieder. Im Sommer würde es mich fast stören, im Herbst liebe ich das flammende Rot, denn es wärmt noch mal das Auge, obwohl der Wind vielleicht schon kalt ist. Der noch recht junge Euonymus alatus färbt sich rot aus, die Weigelien blühen noch einmal nach und liefern letzte Tracht, der ‚Riesenboikenapfel‘* wird rot geerntet.

Hagebutten
Rot und grün geht immer

Sehr viele rote Beeren und Früchte finden sich im Herbst in meinem Garten und dienen den Vögeln als Nahrung. Hagebutten, Kornelkirschen*, um nur zwei Beispiele zu nennen. Einige Büsche haben rote Beeren aber nicht in nennenswerter Anzahl. Ebereschen entwickeln ebenfalls rote Früchte. Dieser Baum oder Strauch steht noch auf meiner Pflanzliste. Ebereschen* ernte ich ebenfalls, wenn die Sorte bekannt ist. Die Züchtung ‚Edulis’ bildet Früchte aus, die nach der Verarbeitung geniessbar und schmackhaft sind.
Wenn ich im Spätsommer und Herbst sowohl Kornelkirschen als auch Hagebutten* und wenn möglich Ebereschenbeeren sammele, lasse immer welche am Strauch zurück. Mehr als meinen Eigenbedarf ernte ich nicht. So können die verbliebenen Beeren noch von interessierten Vögeln gefressen werden, denn sie sind bei ihnen sehr beliebt und somit schnell weggefressen.

Cornus cousa var. chinensis
Beginnender Herbst beim Blumenhartriegel

Die Farbe ROT ist in meinem Garten kaum bestimmend vorhanden, sie ist nur punktuell eingesetzt. Ob ich das noch einmal ändere, glaube ich nicht. Kräftige Farben in dunklem rosa gerne, aber ein reines Rot fühlt sich nicht so richtig gut an. Also belasse ich es solange, bis sich rot meldet und mehr im Garten vorhanden sein möchte. Aktiv werde ich da nicht weiter werden.

Rot ist eine starke Farbe, die mit Bedacht eingesetzt, dem Garten zu viel Energie verhilft!

 

Mit * gekennzeichnete Worte führen als Link zur Baumschule Horstmann

Natürlich berät Euch auch Euer Gartenpflanzenhändler vor Ort!

 

 

 


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