Mein Garten ist eigentlich unser Garten

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

"Meinen" Garten gibt es so gar nicht

Wenn ich davon schreibe, das in meinem Garten dies und das geschieht oder ich dies und das in meinem Garten plane, dann stimmt der Ausdruck nicht so ganz...

Blick über die Terasse

Denn ohne Peterson, würde vieles im Garten ganz anders sein und aussehen. Wir sind uns nicht immer einig: Wenn ich mir eine geschwungene Linie vorstelle, dann wird sie schnell rasenmähertauglich begradigt. Wenn ich eine Pflanze pflanzen möchte, dann haben wir doch eigentlich schon zu viel im Garten, wenn es darum geht, eine Anschaffung zu planen, gibt es meist eine selbsterdachte und -gebaute Lösung. Das schafft nicht immer Frieden, sorgt am Ende aber für eine Unverwechselbarkeit unseres Gartengesichtes.

Auch seine mitunter verrückten Ideen, die er entwickelt und dann auch ausführt und dran arbeitet, bis sie funktionieren, geben dem Garten seinen Charakter. Ausgedientes Material, wie alte Rollerräder an der Konservenwindmühle kommen so zu neuen Ehren und Aufgaben. Wer mit wachen Augen durch unseren Garten geht, findet viele Kleinigkeiten und "Großigkeiten" (Zitat meiner Kinder). Mal versteckt, mal ganz offen da liegend. Manche sind sehr nützlich, manche sind sehr komisch, andere wieder sehr schön.

Das Baumhaus ist ein sehr wichtiges Element im Garten

Die Bedürfnisse der heranwachsenden Kinder wurden immer in der Planung berücksichtigt. Auch schon mal zwangsläufig. Es begann mit einem Weidetipi, das kaum genutzt wurde. Nachdem es zusammengebrochen war, bzw. ein Ast doch ausgetrieben ist, wurde aus der Stelle die Sandkuhle. Das blieb sie einige Jahre, daneben entstand das Baumhaus und die Schaukel. Nachdem die Kinder zu alt für Sand wurden, haben wir dort den Kompostplatz angelegt. Die Schaukel war noch lange Zeit Klettergerüst und somit Zugangshilfe zum Baumhaus; wer eine Leiter benutzte hatte verloren…
Auch an der Beetgestaltung waren die Kinder beteiligt. Wenn der Ball das dritte Mal die Rose plattgemacht hat, dann passte sie da wohl nicht hin. Sie haben so in spielerischer Weise an der Gartengestaltung mitgewirkt…

Für die Tiere wurde Platz geschaffen; aus der Streuobstwiese, die eigentlich die Pferde abgrasen sollten, entstand ein Teil Hühnergarten und ein Teil Fresswiese. Zu vielen Gelegenheiten wurde sie auch als großer Übernachtungsplatz für z.B. Klassenfeiern genutzt.

Jeder, der hier lebt, ist also Teil des Gartens,

bzw. macht den Garten zu einem lebenswerten Ort. Auch der Garten plant mit uns, denn er lässt die eine Pflanze gedeihen, die andere erst nach vielen Jahren, wieder eine andere gar nicht. Mein Garten ist also unser Garten. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, in welchem jeder sich einbringt, wie er will der auch eben nicht will. Für mich ist es nur einfacher, im Singular zu schreiben als den Plural zu bemühen.

in die aufgestellte Zinkwanne könnte eine Skulptur gestellt werden...

Der Familiengarten

wird auch weiterhin sein Gesicht ändern, indem jeder von uns sich in ihm zeigt und verwirklicht, vielleicht auch irgendwann die Enkel; das ist noch in weiter Ferne, wird aber kommen.
So hat der Garten seine Geschichte, indem er mit uns wächst und sich wandelt. Viele seiner Räume und Gesichter spiegeln unser Leben als Familie im Garten wieder. Der Garten erzählt auf diese Weise über seine Menschen; die Kinder, die Jugendlichen, die Erwachsenen.

Der Lehmofen wurde bei einem großen Familientreffen gemeinsam gebaut

Je mehr ich darüber nachdenke,

umso mehr freue ich mich, diesen Blog begonnen zu haben. So bleibt die Vergänglichkeit der Entwicklung erhalten und nacherlebbar. Das wird mir gerade in diesem Moment klar. Die Vermischung der Familie in einem Garten, der das alles erlebbar macht, das ist ein spannender Gedanke.

Der neue Helfer

Wer sich in alten Gärten aufhält, kann dies spüren, denn die gelebten Leben liegen in seiner Atmosphäre begründet. Die „Energie“ alter Gärten ist oftmals spürbar und greifbar, wenn er von Generation zu Generation weitergegeben wurde und sein Gesicht nicht zu scharf modernisiert wurde. In unserer Gegend sind diese alten Gärten recht selten, es gab sie und gibt sie hoffentlich noch. Wenn ich einen finde, werde ich schnellstmöglich davon berichten.

Bis dahin arbeite ich daran, das unser Garten diese Energiedichte aufbauen kann. Falsch, WIR arbeiten daran, jeder nach seiner Fasson, die Eine will dies, dem Anderen ist das zuviel, andere wollen derzeit gar nichts vom Garten; alles das macht seine Energie aus und den Garten zu unserem Garten.


Gartenphilosophie - Viele Leben im Wandel eines Gartens.


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