Mein Garten ruft

von Gartenphilosophin (Kommentare: 1)

Aus allen Ecken ruft die Arbeit

Schneeforsythie, auch Abeliophyllum distichum ist ein wertvolle Frühlingsblüher
Die Schneeforsythie ist ein wertvoller Frühlingsblüher
*Links führen zur Baumschule Horstmann

„Mach das weg“, „Lass mich stehen“,
„Hierher“, „NEIN“! „Nicht da- HIER!“
„Schau mich an“, „Schau mich noch nicht an, aber mach das Gras weg“.

So geht es im Moment den ganzen Tag im Garten. Komme ich raus in den Garten, ruft es sofort LAUT aus allen Ecken. Tausend Dinge wollen zeitgleich bearbeitet, plus mein Privatleben mit seinen Terminen gelebt werden. Termine? Privatleben? Ein Leben neben dem Garten? Das ist dem Garten im Moment völlig egal, er will jetzt - im Moment- die völlige Nummer 1 sein und bleiben.

Honigbiene in der Kornellkirsche
Die Bienen freuen sich über die Kornellkirsche

Die Zeit drängt auch wirklich, denn die ersten Insekten sind unterwegs, alles treibt aus und ich habe noch nicht mal die alten verdorrten Astern ausgebrochen. Dafür aber die Hochbeete aufgebaut und gefüllt, meine blaue Pyramide (link zum Beitrag) aufgebaut, eine Blumenwiese vorbereitet, die besetzbare Kräuterspirale mit den großen Steinklunkern schon gelegt, eine Ulme gepflanzt und die ersten Frühlingsblüher begrüßt und photograpiert, Gemüse gepflanzt, etc. Die Schneeforsythie*, die Kornellkirsche*, die Weide* in der Nachbarschaft, sie bieten einen kurzen Moment der Pause. Die Betonung liegt auf kurz! Ein kurzer Blick ist erlaubt, dann muss ich weiter schuften.

Honigbiene in der Weide
Die Bienen sind immer noch fleissiger als ich

Ich war fleissig

wenn auch nur an wettertechnisch angenehmen Tagen. Aber ich war nicht fleissig genug, um nun auch schon ansatzweise Land zu sehen. So viele Anforderungen, die ein Garten an mich stellt, wenn es einigermassen schön aussehen soll. Das alte Laub muss weggeharkt werden, die Hühner haben in den Beeten schon wild einiges rausgescharrt. Dieses Jahr habe ich drei weitere Ausbrecherköniginnen. Die haben wie wild gegraben und machen vieles in Vorarbeit in den Beeten. Ich muss nur irgendwie hinterherkommen…
Buddele ich in einem Beet, schreien die anderen Beete.
So viele Anforderungen und Aufgaben, wie im Frühjahr ruft der Garten im ganzen restlichen Jahr nicht ab. Da muss ich mich zwischendurch immer wieder erinnern, das es zum einen der guten Tat dient und zum anderen ein Garten eben auch sehr viel Gutes für die Seele bietet. Da muss man manchmal im Vorfeld investieren. Stelle ich mich vernünftig an, dann dient es auch der sportlichen Gymnastik.

Veilchen im Garten
Das kleine Duftveilchen strahlt mich an

Die gute Tat im Garten ist, das ein naturnah geführter Garten dem Auge ebenso wie der Natur dient.
Wir GärtnerInnen haben es in der Hand, wie sehr ihr Garten der Artenvielfalt und somit dem Schutz der Tierwelt dient. Es bleibt dabei, baue ich Pflanzen an, die Insekten Nahrung bieten, und dann ab Herbst auch Schutz vor dem Winter, dann biete ich auch den anderen Tieren einen Ort, leben zu können. Es sind nicht nur die Insekten und Vögel, die unseres Schutzes bedürfen, es sind auch die Amphibien, wie Kröten und Frösche und kleinen Raubtieren, wie zum Beispiel das Mauswiesel, die sich zu uns ziehen können und uns helfen, den Garten in einem Gleichgewicht zu halten. Alles beginnt mit meinen Entscheidungen und denen des Gartens (seinen eigenen Charakter dürfen wir nicht vergessen).

Scilla
Die Scilla sind frühe Nahrungsquellen

Was pflanzen wir?

Exoten? Gefüllte Blumen?
Oder die genau so schönen Pflanzen, an die Insekten herankommen?
Was nutzt ein schön gepflegter exotischer Garten, der still ist und ausser Nachbars Rasenmäher keinerlei weitere akustische Wirkung erzielt?
Was nutzt ein stiller Garten, in dem ich durch die Beete krabbele und schnell fertig bin, weil ich eh schon alles im Herbst abgerupft habe und mit überwinternden Insekten im Stengel aus meinem Garten entfernt habe?



Schwebfliege in der Kornellkirsche
Auch für Schwebfliegen ist die Frühjahrsblüte ein Fest

Da bleibe ich doch in meinem Garten, höre seine Rufe nach schneller und höre aber auch die Hummeln, Vögel, Fliegen, mein (leises) Fluchen und freue mich über das Privileg, in einem Garten bei schönstem Wetter arbeiten zu können.

Denn das ist der eigentliche Ruf des Gartens, der im Frühjahrswahnsinn etwas unter geht:
 Glücklich der Mensch, der einen Garten hat!


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Laurin

Von: Laurin

Am:

Um: 20:24

Natürlich macht ein Garten Arbeit. Für mich ist das aber ein Genuss, die Erde mit den Fingern zu spüren,ihren Duft zu riechen und die ersten Frühlingsblüher sehnsüchtig zu erwarten. Darauf freue ich mich schonden ganzen Winter, wenn der Tag kommt, an dem es wieder zum Garteln wird.
Der Aspekt,im Garten etwas für die Natur zu tun, wird mir immer wichtiger.War es früher ganz wichtig, eine besondere exotische Rarität zu ergattern oder eine tolle Züchtung, so hat das inzwischen für mich viel an Bedeutung verloren.SO ist auch der Ärger über manchen Schädling verschwunden und wurde zu einer Freude, dies oder jenes Insekt im Garten zu haben.

Antwort von Gartenphilosophin

Hallo Laurin,

genau so geht es mir auch, es ist ein sehnsüchtiges Warten auf den Beginn und dann eine große Freude, endlich anzufangen.

Exotische Raritäten waren mir nicht wichtig, aber noch mehr auf die Vielfalt und Naturhaftigkeit  meines Gartens zu achten, das wird mir immer wichtiger! Mittlerweile kann ich kaum noch in den Garten, ohne noch genauer hinzuhören; eine weitere starke Qualität, die mein Garten mich lehrt.

 

Liebe Grüße