Nur noch kurz in den Garten

von Gartenphilosophin (Kommentare: 1)

Zu Besuch beim Physocarpus

Physocarpus opulifolius
Der Physocarpus in voller Pracht

Nur noch mal kurz in den Garten.

Sage ich und bleibe wieder hängen. Mittlerweile kann ich mich kaum mehr als Spontanphotographin bezeichnen. Ich stalke. Ich stalke Insekten. Damit kommt meine Handykamera wirklich an ihre Grenzen, ich aber auch, denn die lieben Kleinen und Großen sind gar nicht so leicht scharf zu stellen.

Blühende Büsche im Garten

Heute dachte ich, ich gehe mal die Deutzien und Kolkwitzien besuchen und die Weigelien. Hängengeblieben bin ich beim Physocarpus.
 Die anderen Büsche sehen zauberhaft aus und, ja, es ist darin lebendig; der Bär steppt aber wirklich im Physocarpus. Dort habe ich heute eine so reiche Ausbeute an Bildern gemacht, es war unglaublich.
 Es haben sich Tierchen und Tiere gezeigt, die ich bisher nie wahrgenommen habe. Es waren auch gute alte Bekannte dabei, klar, aber auch viele neue Mitbewohner, die hoffentlich schon viele Jahre in meinem Garten ihr Auskommen finden und die ich erst heute kennenlernen konnte, weil ich erst heute richtig hingeschaut habe.

Wildbienen an Physocarpus
Ein "Kleinchen" (oben); wer das ist weiss ich nicht

Die "Kleinchen"

Zuallererst: es gibt eine Menge „Kleinchen“. So kleine Insekten, das sie zwar als Flieger zu erkennen sind, wie sie aussehen aber nicht. Für meine Augen. Dann gibt es die, die gut zu erkennen sind und lässig als ganze Gruppe auf eine Blüte passen würden, wären sie in Gruppen unterwegs.

Goldglänzender Rosenkäfer, Cetonia aurata
Ihre Majestät, der Goldglänzende Rosenkäfer

Der wirklich Große

Von da aus geht es weiter bis hin zu den Großen und dort bis zu ihrer Majestät, den

Goldglänzenden Rosenkäfer

cetonia aurata

Er ist eine wirklich majestätische Erscheinug, im Laufe des Vormittags konnte ich zwei der königlichen Käfer entdecken.
Völlig gelassen walzten sie von Blüte zu Blüte und sogen den süßen Saft. Da konnte ihnen keine Hängepartie oder ein Kopfüber die Ruhe nehmen, sie nahmen jede Lageveränderung gelassen hin und frassen weiter. Mich erinnerten sie so ein bisschen an Faultiere, die irgendwo hängen, oder krabbeln, aber eben immer langsam und gemächlich.
Diese Käfer legen ihre Eier in weichem Totholz ab auch im Kompost kann man ihre Larven finden. Wenn sie sich verpuppen wollen, dann bauen sie sich sich aus altem Holz und Sand und "Spucke" einen Kokon, in dem sie sich zwei Jahre entwickeln. Selbst dann brauchen sie, bevor sie den Kokon verlassen, noch ca. 3 Wochen, bis der Chitinpanzer ausgehärtet ist. Also, alles in Ruhe und gemächlich, bitte.
Quellen und Link: insektenbox.de
Buchempfehlung: H.u. M. Hintermeier; Streuobstwiesen, Obst-und Gartenbauverlag München, 2017

Gebaenderte Langhornmotte, männlich
Das Männchen der Gebänderten Langhornmotte schillert fast in der Sonne

Die anwesenden Adjutanten

Die Gebänderte Langhornmotte.

Nemophora degeerella.
Schaut Euch einmal die langen Fühler an, sie weisen bei der Länge darauf hin, das dies ein Männchen ist.Die Fühler der Weibchen sind gerade mal 1,5x so lang wie die Flügellänge. Die der Männchen dagegen 4x so lang. Da der Tag windig ist, wurden ihm die Fühler stark nach hinten geweht, das müssen ziemliche Kräfte sein, die da ansetzen, denn man konnte beobachten, wie er sich mühte, das auszugleichen.
Quelle und Link: insektenbox.de

Immenkaefer, Trichodes apiarius
Schöner Parasit der Wildbienen, der Immenkäfer

Der Immenkäfer

Trichodes apiarius,
sass auch im Strauch. Er legt seine Eier in Bruthöhlen von Solitärbienen oder in vernachlässigte Bienenstöcke und parasitiert diese. Ist er geschlüpft, sitzt er ganz unschuldig im Physocarpus und ist erst einmal schön! Er ernährt sich als fertiger Käfer nur noch von Pollen.
Quelle: H.u.M. Hintermeier; Streuobstwiesen, Obst-und Gartenbauverlag München, 2017

Gymnosoma rotundatum
Diese Fliege hat nur einen lateinischen Namen

Auch bei den Fliegen

habe ich eine unbekannte Schöne entdecken können:

Gymnosoma rotundatum

Darf ich vorstellen?
Sie parasitiert als Larve Baumwanzen, und überwintert an ihnen. Die Baumwanzen überleben das, das ist die gute Nachricht. Sie hat keinen deutschen Namen, nennen wir sie unter Freunden einfach Gymnosoma, ist ja auch ein schöner prächtiger Name für so ein kleines Fliegelein.
Quelle und Link: Insektenbox.de

Gymnosoma nudifrons
Diese Cousine heisst dagegen auf Deutsch Baumwanzenfliege

Baumwanzenfliege

Gymnosoma nudifrons

die Verwandschaft hat sich dagegen einen deutschen Namen machen können, sie heissen Baumwanzenfliegen. Hm, vielleicht doch lieber im lateinischen bleiben, oder? Wahrscheinlich heisst sie so nicht in echt deutsch, sondern es wurde ihr  so übergeordnet zugeordnet, da wohl auch sie Baumwanzen für die eigene Entwicklung benötigt.
Quelle und LInk: Insektenbox.de

Schmeissfliege, Cynomya mortuorum
Die Schönheit der Schmeissfliege im Licht des Gartens

Die Schmeissfliege

Cynonyma mortuorum

sass ebenfalls dort und genoss die Mittagsruhe an diesem reichhaltig bedeckten Buffet. Sie liess sich bereitwillig abbilden. Wenn man genau hinschaut, erkennt man, das auch sie schön ist. Da sie eigentlich Aasfresserin ist, mögen wir sie nicht sehr. Als solche ist sie aber ausgesprochen wichtig, denn auch mit ihrer Hilfe verschwinden viele tote Tiere. Sie ist wichtig, nützlich und daneben, mit offenem Herzen betrachtet, auch schön!
Quelle und Link: Insektenbox.de

Echter Widderbock, Clytus arietis
Mimikri, der Versuch, gefährlich auszusehen

Der Echte Widderbock

Clytus arietis.
Ein weiterer spannender Gast. Er tut so, als ob er eine gefährliche Wespe wäre, ist in Wahrheit aber ein harmloser Bewohner meines Gartens. Seine Larven entwickeln sich in trockenen Ästen von Laubgehölzen. Wie alle Bockkäfer entwickeln sie sich, indem sie sich als Larve immer tiefer in das Holz des Baumes hineinfressen, bevor sie sich für zwei Jahre verpuppen.
Quelle und Link: insektenbox.de

Echter Widderbock, Clytus arietis
Unglaublich, wie toll so ein Insekt aussehen kann

Den Freund habe ich genau im Moment seines Abflugs getroffen, purer Zufall!
wenn man nun aber genau hinschau, kann man doch nur vor Ehrfurcht auf die Knie fallen, oder?
Mit welcher Detailverliebtheit und Perfektion sich ein Tier und natürlich auch Pflanzen an Gegegbenheiten anpasst und alles perfekt zusammenpasst!
Unglaublich!

Kleiner Schmalbock, Stenurella melanura, wbl.
Frau Schmalbock...

kleiner Schmalbock

Stenurella melanura.
Ihre Kinderlein benötigen ebenfalls trockene Äste, gerne dünner, um sich in zwei Jahren dann zu diesen schönen Käfern entwickeln zu können. Als Käfer (Böcke) leben sie von Pollen. Im Larvenstadium von morschem Holz.
Quelle und Link: insektenbox.de

Was für Namen, oder? Sowohl die Deutschen als auch die lateinischen Namen klingen immer ganz besonders! Groß und erhaben, obwohl die Tierchen nicht alle so groß sind, wie der Name vermuten lässt. Erhaben sind sie alle.

Andrena vaga, Graue Sandbiene
Die schöne Graue Sandbiene

Die graue Sandbiene

Andrena vaga
habe ich unter den Bienen wieder entdeckt. Sie sass schon in den Obstblüten, nun auch hier im Physocarpus. Dieser graue Kragen macht sie zu einer besonderen Schönheit.
Sandbienen nisten als Solitärbienen in Kolonienin offenen Sandbereichen, Pflasterfugen oder auch an Mauerfüßen in tiefen Gängen.
Quelle: H.u.M. Hintermeier: Bienen, Hummeln, Wespen, Obst-und Gartenbauverlag München, 2017

Physocarpus opulifolius, Goldglänzender Rosenkäfer
Da sitzt er in einem opulenten Strauch
*Links zur Baumschule Horstmann

Physocarpus opulifolia

Der Physocarpus opulifolius*, oder auch Fasanenspiere genannt, hat sie aber alle genährt und mich sehr fasziniert in seiner Blütenfülle, Pracht, Geräuschentwicklung und Lebendigkeit.

Dabei ist dieser Busch recht unkompliziert:

Er kommt mit fast allen Böden zurecht, wächst sehr schön dicht und wird gerne zum Windschutz gepflanzt. Er ist bis auf die Blütezeit einfach nur grün und trägt keine Früchte. Durch sein dichtes Blatt und Astwerk wird er aber auch als Vogelschutzgehölz gehandelt. Das kann ich gut nachvollziehen, weit kann man in den Busch wirklich nicht hineinschauen, das ein oder andere Nest kann da sicher im Verborgenen vielen Vogelküken eine gute Aufzucht gewähren.

Es gibt grünlaubige*, gelblaubige* und dunkellaubige* Sorten, die dunkelrote Blasenspiere 'Diabolo' ist sehr häufig in Gärten zu sehen. Bei mir steht der „normale“ in grünem Laub mit wirklich vielen Blütentellern. Dieser Strauch wächst straff aufrecht und wird um die 4 Meter hoch. Er wird aber auch breit, hier hat er sicher schon fast 2 Meter in der Breite für sich eingenommen. Da er allerdings gut schnittverträglich ist, kann er problemlos so schmal gehalten werden, wie es gebraucht wird.
Bei mir darf er wachsen, hoch wie breit. Es ist genug Platz da und da wo Büsche sind, wächst kein Gras. Wunderbare Sache, da ich mähfaul bin und auch am Fuße einer Hecke, in ihrem Schutz viele Tiere sich entwickeln und somit gefördert bzw. erhalten werden können.

Könnt Ihr ermessen, was hier allein an diesem einzigen Busch los war?

 

 

 


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Konstanze

Von: Konstanze

Am:

Um: 13:57

Wow, da sind Dir ja Bilder gelungen, der Rosenkäfer ist klasse! Soweit ich weiss, steht er unter Naturschutz.
In meinem Garten habe ich noch keinen entdeckt, obwohl auch da viel totes Holz gestapelt ist. Kommt vielleicht noch.

Viele Grüße
Konstanze