Pflanzenportrait: Gemeine Graukresse

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Graukresse - Die graue eigentlich hübsche Unbekannte

Berteroa incana, Graukresse
Eine eigentlich hübsche Pflanze

Wir kennen ja einige Wildlinge, die uns den Garten verschönern. Manche schmecken, andere nicht.

Viele dieser Wildlinge sind schön, u.U. jedoch von Pferdehalter als riskant anzusehen. Das JKK (Link z. Beitrag) ist so ein Kraut, die Graukresse ebenfalls.

Während das JKK in aller Munde ist und hohe Aufmerksamkeit erzielt, ist die Graukresse eine still gefährliche Schönheit im Ödland oder auf so trockenen Flächen, wie meinen.

Berteroa incana, Graukresse
Pflanze im Blick

Ich habe sie in diesem Jahr das erste Mal im Garten entdeckt und mich an ihr gefreut. Sie hielt tapfer, grün und unermüdlich blühend, der Trockenheit stand. Das sind bei mir schon immer Pluspunkte. Dann wurde ich jedoch darauf aufmerksam gemacht, das die Graukresse, Berteroa incana, für Pferde gefährlich weil toxisch ist. Hier bei VetPharm (Link dahin) kann man das nachlesen.

Berteroa incana, Graukresse
Die Blüte sind ganz hübsch anzusehen

Damit sie sich nicht aussamt und sich hier verbreitet, habe ich sie gleich ausgezogen. Da kann ich Euch nur raten, vorsichtig zu Werke zu gehen. Später dazu mehr.
 Das Vorkommen der Graukresse ist ursprünglich im östlichen Europa und Westasien beschränkt gewesen, bis sie dann halt auch bis hierher verschleppt wurde und ihren Weg über trockene Standorte vor allem im Nordosten Deutschland gefunden hat (Link zu Quelle: offene-naturfuehrer.de). Sie bevorzugt lückige Wiesenbereiche, dort, wo es nährtsoffreich und kalkarm ist. Das verwundert mich ein bisschen, denn bei mir ist es eigentlich anders herum...
Hier im Garten sind die Lücken durch alte Maulwurfshügel entstanden, die ich platt getreten habe und schaue, was sich dort ansiedelt.

Berteroa incana, Graukresse
Blüten und Schoten sind gemeinsam erkennbar

Graukresse ist zweijährig, sie bildet im ersten Jahr eine Rosette, um im zweiten Jahr dann zu blühen, und zu versamen. Die Samenschoten schmecken nussig scharf, ich habe sie heute morgen probiert, als ich noch zwei Pflanzen entdeckt hatte. Der Tipp kam von Rohkost-Wiki (Link dorthin) und ich habe ihn kostend umgesetzt.
Pro Schote können bis zu 7000 Samen enthalten, eine irre Menge in so einer kleinen Schote. In den Blattachseln entstehen neue Blüten, die dann auch Schoten ausbilden. Da wachsen viele, viele Samen heran, die sich bitte nicht so unkontrolliert in die Landschaft verbreiten sollten.
Raus damit, denn wenn sie erst einmal ihre Verbreitung gefunden hat, dann wird man ihrer kaum noch Herr.

Berteroa incana, Graukresse
Trockenheit macht ihr nichts aus

Aus Brandenburg kenne ich mehrere Bilder mit einer riesen Verbreitungsfläche in Heuwiesen. Laut der TA HP Halmer/ Seehuber (Link dorthin) ist sie in allen Teilen zu allen Zeiten für Pferde giftig. Hier können wir nur den Anfängen wehren. Steht sie auf Wiesen oder am Rand, wird sie wohl von Pferden gemieden. Doch auch im Heu bleibt sie giftig. Scheinbar verliert sie dort ihre Schärfe und wird von Pferden gefressen. Ab einem Anteil von 30% im Heu werden Pferde schnell schwer krank. Von Totgeburten wird berichtet, unspezifischen Lahmheiten, Fieber, Abgeschlagenheit, geschwollene (ödematöse) Beine und auch von Hufrehen, eine mehr oder minder schwere Entzündung der Huflederhaut. Nun hört sich die Zahl 30% nach einer hohen Zahl an, bei der Menge an Samen scheint es mir aber nicht abwegig, das bei der Ausbreitungsfreude, dieser hohe Anteil auf den Wiesen und dann auch im Heu schnell erreicht werden kann.

Berteroa incana, Graukresse
Die Blätter sind ganz unscheinbar

Die Graukresse Berteroa incana verdankt ihren Namen der leicht grau anmutenden Behaarung der grünen Blattanteile, sie ist recht gut erkennbar. Für mich stellt sich die Frage nach ihrer Gartenwürdigkeit kaum, denn sie erscheint als recht ausbreitungsfreudiger und gefährlicher, weil für Pferde giftiger Neophyt. In meinem Garten habe ich auch keine Insekten an ihr gesehen, so das ich meine Gelassenheit, wie ich sie dem JKK entgegenbringe hier nicht walten lassen werde.

Berteroa incana, Graukresse
Die Wurzel ist erkennbar lang und fein

Gestern habe ich sie "entnommen".
Das bedeutet, ich habe sie nicht ausgerupft, sondern vorsichtig gezogen. Die Pflanze wächst unverzweigt ca. 50 cm nach oben. Wird sie gemäht wächst sie um die 20 cm noch nach. Die Wurzel ist recht lang und fein, an zwei Pflanzen konnte ich feststellen, das sie schnell abreisst. Da ich nicht weiss, ob sie sich daraus neu entwickeln kann, habe ich die anderen Pflanzen vorsichtig mit der ganzen Wurzel ausgezupft. Auf dem Bild könnt Ihr sehen, wie zart die Wurzel ist.

Berteroa incana, Graukresse
Wer es scharf mag, isst sie auf....

Da Graukresse in allen Teilen für Pferde giftig, für den Menschen aber ungiftig ist, kann diese Pflanze durch uns einfach aufgegessen werden, eine sehr hortane und pferdefreundliche Lösung, wie ich finde. Tierschutz kann auch in der Küche beginnen.

Berteroa incana, Graukresse
Die Blattrosette des ersten Jahres

Eine weitere Frage stellt sich ja, nach den Neophyten in unseren Gärten, geht es nicht auch anders? Viele Neophyten, die den Weg in unsere Gärten gefunden haben, haben den Sprung nach draussen geschafft und stehen nun mit heimischen Kräutern in für Pferde unheilvoller Konkurrenz.
Zu den Neophyten und meinen Umgang mit ihnen mache ich mir noch einmal so meine Gedanken und teile Euch die dann mit. Bis dahin aber

 Mein Tipp: Bevor es sich unkontrolliert ausbreitet - Guten Appetit!


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