Pilze im Garten - über das Vertrauen

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Halimasch und Tintlinge

Eine Garten-Pilz-Exkursion

Halimasch am Weidepfahl
Er war der Anlass, der Halimasch

Vor ein paar Tagen

schien die Sonne so schön auf diese Gruppe Hallimasch, das ich beschloss, mal auf die Suche zu gehen, welche Pilze noch so bei uns wohnen.

Zu Pilzen habe ich ein gespaltenes Verhältnis, sie sehen oft unappetitlicher aus, als sie versprochenermassen sind. Pilze setzen ein umfangreiches Wissen und viel Vertrauen vorraus. Ihr Aussehen verrät NICHTS über ihre Bekömmlichkeit!

Es braucht großes Vertrauen in eine Person, die über ein umfangreiches Wissen über Pilze verfügt. Da ich keinen solchen Menschen kenne oder ihm genug vertraue würde, schaue ich mir Pilze nur an und wundere mich über den Mut der anderen. Mir fremde Pilze essen getraue ich mich einfach nicht. Es gibt nur einen Pilz, den ich im Wald sicher erkennen kann und es liebe, ihn zu essen; die Krause Glucke.

Da sie aber nicht in meinem Garten wächst, soll sie nicht Gegenstand meiner Betrachtungen sein (sie ist oberlecker!)

Tintling am Flieder, nicht mehr genießbar
nicht mehr jung, sondern schon in der Auflösung

Auf der Suche nach Pilzen, stiess ich vorne an der Strasse auf folgende Pilze, die ich als angehende Ufo-Pilze klassifizierte.

Vertrauen Sie mir nicht, wenn ich Ihnen sagen sollte, essen Sie diesen oder jenen Pilz!

Es sind nämlich keine Ufo-Pilze sondern Tintlinge. Über die wollte ich Näheres wissen und habe mich schlau gemacht. Sie werden als vorzügliche Speisepilze empfohlen, wenn sie jung geerntet und sofort verzehrt werden. Über die Systematik von Pilzen werde ich sie nicht langweilen oder überfordern, das soll den echten Pilzfreund und -kenner beschäftigen. Mich interessiert die Geschichte, die sich um solch einen Pilz rankt.

Junge Tintlinge; diese wären wohl schmackhaft
Diese Tintlinge sind noch ganz jung

In meinem Pilzbestimmungsbuch steht,

das sie in Holz, Torf, Dung, oder Erde wachsen. Sie sind erkennbar an einem weissen, glocken- bis eichelförmigen Hut, der erst in der Jugend weiss ist und dann sehr schnell schwarz wird, bis er schwuppdiwupp weg ist. Eine Sache von erstaunlich wenigen Tagen.

Es ist immer gut, besonders über Pilze, die man essen möchte, Bescheid zu wissen. Gezeichnet finde ich vieles besser zu erkennen und zu bestimmen.

Tintling in Autolyse
Dieser Tintling befindet sich mitten in der Autolyse

Des Weiteren stand da,

das er sich selbst verdaut, indem er im Alter schwarz zerfliesst. Der Pilz betreibt Autolyse, er verdaut sich sozusagen selber und enthält in diesen schwarzen Tropfen die Sporen, die die nächste Generation sichern. Die Autolyse kann man auf den Bildern sehr gut erkennen. Nun ist er auch nicht mehr essbar. Also nicht geniessbar. Ab jetzt entwickelt er einen literarischen Nutzen...

Spannend ist nämlich, das aus diesen schwarzen Tropfen früher dokumentenechte Tinte hergestellt wurde, daher rührt sein Name „Tintling“. Diese Tinte wurde gerne mit Nelkenöl haltbar gemacht. Um nun aus meinen Pilzen Tinte herzustellen bräuchte es sicher größere oder mehr Pilze als diese. Das Wissen, das ein Pilz, der in meinem Garten wächst, sich innerhalb kurzer Zeit selbst verdaut, und zu Tinte verarbeitet werden kann, das trifft genau mein Faible für kurioses Wissen.

Diese Tintlinge sind fortgeschritten in der Autolyse
Die Autolyse ist in vollem Gange

Noch kurioser: es ist ein fieser "Raubpilz"!!!

Das ist meine Bezeichnung, um den Grusel zu erhöhen...

unterhalb der Erde verfügt er über kugelige dornige Auswüchse, mit deren Hilfe er ein Toxin ausscheidet, das Kleine Fadenwürmer unbeweglich werden lässt. Diese Kleinen Fadenwürmer werden dann vom Myzel besiedelt und innerhalb weniger Tage verdaut.

Völlig selbstverdaut
Hier sind die Tropfen auch gut zu erkennen

Spannend, oder?

Ein Pilz, der Würmer erbeutet und aus dem Tinte erzeugt werden kann. Das erhöht nun nicht mein Vertrauen, das er ganz jung und ganz weiss als ein sehr besonders wohlschmeckender Pilz gelobt wird. Wer Würmer verdaut und als Tintenproduzent daherkommt, den bewundere ich für seine Vielfalt und seinen Einfallsreichtum. Deshalb werde ihn aus Hochachtung stehen lassen.

So rede ich mir meine Angst vor einer Pilzvergiftung schön!

Sollten Sie ihn gerne essen wollen, dann lassen Sie sich vorher beraten.Achten Sie bitte auf eine wirklich frühe Ernte des noch jungen Pilzes und schnellen Verbrauch. Wichtig zu wissen ist, das er, in Verbindung mit Alkohol genossen, doch eine leichte toxische Wirkung entfalten kann.

Ungeachtet meines schwarzen Humors;

diesen Pilz kenne ich nun und werde ihn fröhlich in meinem Garten grüßen!


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