Pilze, Pilze, Pilze!

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Es ist Herbst und alles verblüht - Auftritt Pilze

Pilz und Frost
Pilze nach einer Frostnacht

Es ist Herbst und alle Blüten sind am Vergehen. Das Einzige, was im Moment wirklich Freude bringt, sind die Blattfarben, die in der Herbstsonne so wunderbar zur Geltung kommen! 
Bei uns sind die letzten Äpfel des Apfelbaumes ‚Stina Lohmann‘ geerntet, die Apfelquitten warten auf den letzten Erntegang.
Nun soll Frost kommen, dann kann ich noch die Mispeln, Mespula germanica, ernten. Damit geht das Ertragsgartenjahr dann zu Ende.

Der Große Unbekannte
Der Große Unbekannte

Wer mir nun wirklich auffällt, sind die Pilze, die nun ihr großes Erscheinen feiern. Im letzten Jahr hatte ich ja die Bekanntschaft mit den Tintlingen (Link z. Blogbeitrag) gefeiert und die mit dem Großen Unbekannten (Link z. Blogbeitrag), der bis Heute noch nicht identifiziert ist. Viele sagen, anhand des Photos, das das ein alter im Verwesen begriffener Pilz ist. Stimmt leider nicht, er war frisch und nicht verwest.

Pilze Halimasch
Ein kleiner Halimasch hat sich gezeigt

Herbstzeit ist immer Pilzzeit?

Dieses Jahr war ein so trockenes Jahr, das ich auch im Beginn des Herbstes keine Pilze finden konnte. Erst Anfang November traten sie mit dem ersten Regen in Erscheinung. Keine schönen Tintlinge und keine großen Unbekannte. Dafür ein relativ kleiner Halimasch, der sich im Kleinen und Versteckten zeigt und sonst noch eher viele kleine Pilze.
Dieses Jahr finde ich Pilze eher am Totholz als anderswo.

Pilze als Destruenten
Nicht essbar, aber wertvoll!

Pilze als Destruenten

Da habe ich mich mal wieder etwas mit ihnen beschäftigt und altes Schulwissen mit lexikalem Wissen abgeglichen:
Pilze sind mindestens ebenso wichtige Destruenten für organisches Material, wie die Fliegen (s. Beitrag), Ameisen, Aasfresser, Bakterien und weitere. Destruenten sind Lebewesen, die organisches Material abbauen, oder im besten Wortsinne zerstören. Das ist auch gut so, sonst würden wir auf einem Berg organischem Materials sitzen. Hat sich das Material nämlich zersetzt, dient es als Dünger für nachfolgende Pflanzen. Ein wunderbarer Kreislauf des Lebens, mit aufrecht erhalten durch die Pilze.

Pilz an Totholz
Pilze zersetzen Totholz

Pilze - einfach überall vorhanden

Pilze sind in solch einer Vielfalt vorhanden, das wir sie als ubiquitär bezeichnen können, also als überall vorhanden. Sie befinden sich einfach überall, in der Luft, im Darm, in Symbiose mit Cyanobakterien leben sie als Flechten. In Nahrungsmitteln, in essbarer (auf Camenbert) und giftiger Form (Gammel). Wir finden sie überall im Boden, an altem Material und das in allen Größen und Ausprägungen. Pilze sehen sich zum Teil so ähnlich, das nur ein sehr geschulter Fachmann, diese auseinander halten kann.
 Ich für meinen Teil erkenne nur treffsicher die Krause Glucke, die ich bisher aber noch nicht gefunden habe in diesem Jahr.

Pilze - Tier oder Pflanze?
Pilze sollen WAS sein?

Das Wesen der Pilze

Das Spannende an Pilzen ist ihre Wesensart, sie sind weder den Tieren noch den Pflanzen zuzuordnen. Sie haben sowohl mit der Tierwelt als auch mit der Pflanzenwelt einiges gemein aber eben immer nur so wenig, das sie nicht klar zuzuordnen sind.

Wer eben gelacht und gedacht hat: „Das mit den Tieren, nun spinnt sie aber“, dem würde ich eigentlich zustimmen, aber Pilze haben eben doch vieles mit den Tieren gemeinsam; nicht die Bewegungsfreude, die nicht. Allerdings verstoffwechseln Pilze organisches Material, die sie mit Hilfe bestimmter Enzyme auflösen und dann aufnehmen. Bei den Tintlingen hatte ich auch schon darüber gesprochen, das sie Fadenwürmer verdauen.

Waldpilze

Was sich als lösliche Stoffe im Boden befindet wird in gelöster Form aufgenommen, alles andere Leckere eben über selbstgebildete Enzyme vorverdaut und dann aufgenommen. Da Pilze völlig frei von Chlorophyll sind, jedoch Chitin ausbilden, um eine gewisse Standfestigkeit zu erhalten, werden sie lt. Wikipedia eher den Tieren zugeordnet. Pflanzen bilden kein Chitin aus und synthetisieren auch keine Enzyme, um etwas zu verdauen.

Alte Pilze im Vergehen
Ein Pilz im Vergehen

Bauart der Pilze, vereinfacht erklärt

Pilze bestehen aus sogenannten Hyphen, Pilzfäden. Jeder, der einmal Essbares stehengelassen hat, kennt die Pilzfäden... Das sind schlauchartige Gebilde, die sich im Boden zu einem Mycel, dem Pilzgeflecht auswachsen und nach oben sichtbar sind in der Form des Pilzes. Sie bilden kein echtes Gewebe, sondern ein ineinander verflochtenes Konglomerat dieser Hyphen.
Da ein Pilz aus diesen wenig festen Verschlingungen besteht, erklärt es sich auch, warum er so schnell vergeht, wenn es frostig ist, wenn es regnet oder auch, wenn es zu trocken ist. Ohne Gewebe kann er diesen Bedingungen nicht stand halten. Aber, selbst wenn wir ihn an der Oberfläche nicht mehr sehen können, ist er über das Mycel eben doch noch an dem Standort vorhanden. Er wartet, bis die Bedingungen wieder passen, um nach oben zu wachsen und sich dann über die Produktion von Sporen zu verbreiten.

Pilz am Baum
Pilze leben gerne auf der kühlen schattigen Seite des Lebens

Lebensformen der Pilze

Pilze leben als Destruenten, einfach üpbersetzt, Zerstörer, als Parasiten, also alleinige Nutzniesser aber auch als Symbionten, das heisst, sie bilden mit bestimmten Pflanzen eine für beide Seiten nützliche Gemeinschaft. RosengärtnerInnen unter uns wissen um den Vorteil der Rosen, wenn ihnen Mykorrhiza Pilze bei der Pflanzung über das Pflanzsubstrat beigegeben wird. Pilz und Rose finden sich auch so, über das Substrat kann das aber auch gefördert werden.
 Das ist auch der Grund, warum man keine Rose nach der anderen pflanzen sollte, denn die ursprüngliche Gesellschaft dieser Rose mit diesen Pilzen ist individuell.

Pilze können aber auch als Parasiten leben, sie leben von den Wirtspflanzen. Mehltau, Birnengitterrost, etc. Zeugen von dieser Problematik. Die Versorgung geht in eine Richtung, hin zum Pilz. Das kann auch tödlich sein für die befallene Pflanze. Manchmal kann man ihr mit Pflanzenstärkung helfen, manchmal nicht, es kommt ganz auf die Art des Befalls an.

Auch wir Menschen kennen das, von Pilzen befallen zu sein. Fußpilze sind eine Art, mit ihnen Bekanntschaft zu machen.
 Manchmal sind wir auch mit anderen Pilzen konfrontiert, die unsere Gesundheit belasten.

Hefeweizen in Bioqualität
Ein Hefeweizen geht nur mit Hefepilzen

Der Pilz als Genuss

Aber!!!! Pilze schmecken auch, das sei jetzt mal der wichtigste Aspekt, den wir betrachten wollen. Wir kennen einige Speisepilze und der eine mehr, der andere weniger, mögen doch viele Menschen Pilze. Sie können als Champignons oder Austernpilze auch selber gezüchtet werden, auf dem Brie schmecken sie besonders gut und ein schönes Hefeweizen ist auch im Sommer gerne gesehen und getrunken. Im Wald finden Kenner Pilze, dich als nicht geniessbar einstufen würde, dem Kenner aber eine schmackhafte Mahlzeit bescheren.
Es gibt Kenner, die finden das ganze Jahr über die Möglichkeit, Pilze zu sammeln und zu essen. Einige benutzen bestimmte Tiere, wie Schweine oder ausgebildete Hunde und gehen mit ihnen in Eichenwäldern auf die Suche nach dem König der Pilze, der Trüffel.

Pilze in der Wiese
Faszinierende Ansichten

Trüffeln habe ich jetzt noch keine gegessen, Waldpilze esse ich eher auch nicht; anschauen tu ich sie mir jedoch gerne. Die Faszination für die verschiedenen Ausprägungen der Pilze ist schon gigantisch, ebenso die Tatsache, das sie mal hier, mal, da und auch immer wieder neu und für mich anders sind. Klar, es sind auch andere Pilze, in welchen Formen sie jedoch auftreten und ihre Wichtigkeit , das ist schon faszinierend.


Pilze als Destruenten für Holz
Pilze zersetzen Holz

Um sie nun im Garten auch zu beobachten, braucht es Totholz; werft es also nicht weg, sondern stapelt es, gerne auch im schattigen Bereich einer Hecke, wo es leicht feucht sein darf.

Legt einen Komposthaufen an und schaut, welche Pilze sich dort einstellen. Bei mir in der Wiese stehen derzeit viele kleine Pilzlein herum, aber auch ein großer hat sich kurz gezeigt.
Dieses Jahr inetressieren mich aber eher die Pilze am Totholz und wie sie das Holz überziehen, um es nach und nach zu verdauen. Das Holz kann nicht weg, der Pilz hat alle Zeit der Welt. Zu Hilfe kommen ihm dann noch Insekten, und dann auch Vögel. Ist das Holz zersetzt, wirkt es als Dünger für den Boden und ernährt die dort lebenden Pflanzen.
So ernährt Totholz eine ganze Armada:

Pflanzen, Tiere, Pilze.


Es ist ein Leichtes, Pilzen einen Ort zum Leben im Garten zu gönnen! Sie danken es, indem sie ihre Schönheit zeigen!

 

 

Hat Euch mein Artikel inspiriert, und Ihr wollt für Totholz sorgen, dann pflanzt Bäume in den Garten. Sie liefern das Material.
Schaut gerne im Link unten nach.
Wer über diesen Link einkauft, unterstützt meinen Blog.

 

 

 


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