Rullstorfer Gartenband

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Das Gartenband - ein Versuch, Insekten dörflich zu schützen

Rullstorfer Gartenband- eine politische Initiative zum Insektenschutz
Wenn sich Politik einigt, entsteht hier etwas Gutes

Als im letzten Jahr die Nachrichten das stille Sterben der Insektenwelt publik machten, habe ich mir Gedanken gemacht, wie geholfen werden kann.
 Schon in meinem Blogbeitrag dazu: s.hier  hatte ich geschrieben, das es Lösungen braucht. Wir können nicht nur warten, bis „die Anderen“ etwas tun, nein, jeder, der einen Garten hat, kann ihn dahingehend bewirtschaften, das Insekten angelockt und sich dort halten können. Dazu braucht es eine geeignete Pflanzengesellschaft, die möglichst lange in der warmen Zeit in ausreichender Menge Insekten versorgen kann. Das ist sicher nicht nur alleine im eigenen Garten möglich. Es ist eine gute Idee, Nachbarn anzusprechen mitzumachen. Den Insekten viele kleine Inseln anbieten, bedeutet, auf Dauer aus diesen vielen kleinen Inseln ein verbindendes Band zu schaffen. Für unsere Gemeinde ein Gartenband.

Habichtkraut Insektenmagnet
Habichtkraut ist ein guter Anfang

Das Vernetzen vieler Biotope

erleichtert es Insekten, ebenso auch ausserhalb des eigenen Gartens Nahrung zu finden. Das macht ein Gartenband zu einer wichtigen und wertvollen Möglichkeit, Sinnvolles und Nützliches GEMEINSAM zu schaffen! Sich mit Nachbarn austauschen kann schon eine echte Veränderung bringen. Möglichst an einem Strang ziehen, gibt noch ein beglückendes Gefühl, denn wir sind nicht allein. Viele Wildbienen haben keinen großen Radius, wenn sie ausfliegen, um Nahrung für die Brut zu finden und zum Nest zu tragen. Wildbienen, die häufig solitär leben, erhalten eine energiesparende Möglichkeit, sich und die Brut zu nähren und das Überleben zu sichern! In der Nähe genug Futterpflanzen vorzuhalten, diese Aufgabe können sich Nachbarn teilen. So werden viele Gärten lebendiger und ein Austausch entsteht.

Gras blüht im Garten, reicht aber nicht aus.
Das Gras ist hübsch aber es ist zu wenig

Im Frühjahr erreichen

wir eine bessere Befruchtung von Blüten durch schwärmende Bienen. Obstbäume und -Sträucher danken es und wir streichen eine bessere Ernte ein.
 Im Sommer, wenn die Hauptblütezeit vorbei ist, ermöglichen wir dann durch die ausgesäte Wildblumenwiese eine Verlängerung des Nahrungsangebotes. Das ist sozusagen das Geschenk, das wir den Wildbienen und Insekten zurückgeben können! Wenn viele GärtnerInnen mitmachen, und das ist auch in kleinen Gärten möglich, dann schaffen wir ein stabiles Band und eine große Fläche!

Um nun die Einwohner unserer Gemeinde zum Mitmachen zu motivieren, haben wir eine kleine Vortragsreihe organisiert.
 Gestern Abend fand der erste Teil statt. Frau Kietsch, von der Wildsamen-Insel (Link dahin) hat den weiten Weg nicht gescheut und uns interessierten Zuhörern erklärt, wie heimisches regionales Saatgut gewonnen wird, welchen Sinn dies für die Insektenwelt hat und wie das Saatgut im Garten als Wildblumenwiese angelegt und erhalten werden kann.
Sehr spannend!
Es ist und bleibt doch ein Unterschied, ob regionales oder Baumarktsaatgut verwandt wird. Baumarktsaatgut sagt selten etwas zu der Art der Mischung und verschweigt sinnigerweise den Anteil an vielleicht Kräutern, die wir nicht im Garten haben wollen.
Regionales Saatgut ist heimisches Saatgut. Unsere Insektenwelt ist genau auf die heimische Pflanzenwelt eingestellt und benötigt eine entsprechende Vielfalt an blühenden heimischen Blumen.
Die Sorgfalt des Anbaus und der Aufwand, gutes Saatgut zu produzieren macht den Preis aus, der deutlich höher ist. Dafür bekommen wir allerdings standortgerechtes Saatgut aus der Region. Ein Preis,den zumindest ich bereit bin, zu zahlen, zumal die Wiese wenn sie sich etabliert hat, lange bestehen und sich entwickeln kann.

Samenmischung Wildblumenwiese
Diese Samenmischung verspricht, eine schöne Wiese zu werden

Ein Vorteil einer Wildblumenwiese

ist die geringe Anzahl der Mahd. Zumindest auf unseren mageren trockenen Standorten. 
Die erste Mahd erfolgt im frühen Frühjahr, wenn die Vegetationsphase noch nicht begonnen hat. Das schafft Licht für alle Pflanzen, die dadurch besser austreiben können.
Der zweite Zeitpunkt der Mahd ist die Zeit, in der die Margeriten blühen, der Schmerzenszeitpunkt. Wir wollen eine Blumenwiese und mähen die Blumenwiese in der Blüte ab!

ABER!
Nicht verzagen, dieser zweite Zeitpunkt lässt die Wiese ein weiteres mal hochkommen und dann haben wir den Zeitraum, in dem die Hauptblütezeit vieler Pflanzen vorbei ist und Insekten wenig finden, abgedeckt.

Frucht der Winterlinde
Frucht der Winterlinde

Im Spätsommer finden Insekten

wenig Blühendes, AUSSER in unseren Gärten!

Das ist die Frohe Botschaft!
Nun trumpft unsere Wildblumenwiese auf und bietet weitere Versorgung und ist somit ein Festsaal für unsere Insekten.
Wer wie ich eine Winterlinde im Garten stehen hat, braucht sich dann auch weniger Sorgen um sterbende Hummeln zu machen. Die magnetische wirkende blühende Winterlinde hat nicht genug für alle hungrigen Bienen, Hummeln und Konsorten. Deshalb ist es sehr wichtig, genau für diesen Zeitraum weitere blühende Pflanzen zur Verfügung zu stellen! Das hilft gegen das Verhungern an der Linde. Falls es auch zum Verdursten kommt, so ganz scheint das große Hummelsterben an den Linden noch nicht erkannt, stelle zumindest ich immer noch eine bis zum Rand gefüllte Schale mit Wasser zur Verfügung. Bis zum Rand gefüllt, damit keine den Ertrinkungstod erleiden muss.

Spitzwegerich und allerlei Krautreiches
Hier wurde Spitzwegerich stehen gelassen und dient als Nahrung für Vögel

Nun haben wir den Spätsommer und Herbst

mit einer blühenden Wiese und passenden Stauden abgedeckt. Lassen wir die Samenstände stehen, können sich Insekten in Stängeln zurückziehen, am Boden überwintern und Vögel sich Samen holen.

WICHTIG
bei der Mahd ist eine Aufteilung in zwei Sequenzen: Zuerst wird ein Teil der Wiese gemäht, dann ein paar Tage das Mahdgut liegen gelassen und dann der zweite Teil gemäht. So haben Insekten Zeit, sich zurückzuziehen und werden geschont. Da die Wiese hoch steht, ist ein Rasenmäher überfordert. Ein Balkenmäher oder die gute alte Sense kommen hier zum Einsatz. Das Mahdgut darf nicht liegenbleiben, es muss abgeräumt werden.
Wenn das Mahdgut des ersten Abschnitts abgeräumt wurde, kann der Schnitt im zweiten Teil erfolgen.
So werden Insekten geschont.

wildes Geranium
wildes Geranium ist gesund auch im Heu

Von dem dadurch anfallenden Heu können Tiere gefüttert werden, denn zumindest die Mischungen an regionalem Saatgut für unseren Magerstandort enthalten keine giftigen Kräuter.
Der Schnittzeitpunkt im Frühjahr kann nach dem gleichen Muster erfolgen. Für meine Begriffe sollte das Mahdgut jedoch kompostiert werden. Ob das Winterheu jetzt als Heu für die Tierfütterung von Interesse ist, wage ich zu bezweifeln.

Papiertütchen mit Samenmischung
Ein MIniausschnitt meiner abgefüllten Tütchen

An dem Abend

wurde eine Samenmischung für Säume an Leute abgegeben, die im Garten 12 qm oder auch mehr für die Ansaat einer Wildblumenwiese hergeben wollten.
 Dafür habe ich eine Woche Samen gewogen und abgepackt. Eine schöne Arbeit, da ich mir auch mal ganz bewußt die Sämereien angesehen habe.
Frau Kietsch sprach auch davon, das, je trockener und magerer der Boden ist, desto feiner der dazu passende Samen. Es gab in der Mischung wirklich viele feine Sämereien. Das war spannend.

Scharfer Mauerpfeffer
Es soll mehr blühen als der Scharfe Mauerpfeffer! Viel mehr!

In meinem Garten

werde ich in diesem Jahr eine Wildblumenwiese anlegen. Nach Aussage von Frau Kietsch wird sie nicht gleich im ersten Jahr zu vollen Pracht und Schönheit heranwachsen, sie wird sich aber entwickeln und mit Geduld und Spucke zu einer schönen Wiese heranwachsen!
Langsam werde ich mit diesen 12 qm anfangen und dann sehen, wie sich das steigern lässt, so Jahr um Jahr! Wieich die Wildblumenwiese anlegen werde, darüber gibt es dann den Bericht. Versprochen. Ich bin schon gespannt, oder das Frühjahr mehr als 24 Stunden im Gepäck haben wird. Es sind doch viele weitere Pläne entstanden als bisher geplant.
Mir ist es jedoch wichtig, wirkliche HIlfe zu geben, eben so, wie ich es vermag und schaffe!

Nahrung und Schönheit und Vielfalt auf soviel Platz, wie GärtnerInnen erübrigen wollen!

 

Wenn auch Ihr Interesse habt

eine Wildblumenwiese anzulegen, schaut in diese Links. Dort findet Ihr passendes regionales Saatgut für Euren Standort!

Es würde mich wirklich SEHR freuen, wenn die Eine oder der Andere hier dazu etwas berichten würde!

Wildsamen-Insel

Rieger-Hofmann

Gärtnerei Strickler

Mehr lesen:

 

 


Zurück

Einen Kommentar schreiben