Der Garten im Winter - Wohnzimmer oder Kinderzimmer?

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Aufräumen oder alles stehen und liegen lassen?

Mispel im Beet - unaufgeräumte Schönheit

Wie soll unser Garten im Winter aussehen? Die einen bevorzugen den fein vorbereiteten Garten; alles fertig, der Boden ohne Unkraut und fein geharkt. Kommt morgen der Frühling zurück, dann muss nichts mehr erledigt werden. Der Staub ist sozusagen gewischt und alles Störende weggeräumt.

Die anderen lassen ihren Garten so, wie er eben im Moment ist, chaotisch, braun, "ungepflegt" und durcheinander. Grad so, wie der tägliche Blick ins Kinderzimmen, meist verbunden mit dem folgenden Ruf nach Ordnung!

Was machen wir im Winter

oder besser, vor dem Winter im Garten? Alle Stauden runterschneiden? Alles abräumen? Den Rasen noch einmal kurz schneiden? Alle abgeschnittenen Äste an die Strasse für die Abfuhr?
Dann die Beete mit gekauften Tannenästen abdecken, damit der Kahlfrost den Pflanzen nicht schadet?

 

Auszeit im Garten

Hmmm… Teuer und arbeitsaufwendig. Da schlage ich als faulenzende Gartenphilosophin vor, die mit diesem Aufwand verbrachte Zeit eher in eine schöne Tasse Kaffee mit Freunden zu investieren.

Mein sehr ernsthafter Vorschlag ist, alles über den Winter stehen zu lassen! Es nutzt allen! Unser Rücken wird geschont, es ist im Herbst anstrengender bei kälter werdendem Wetter durch die Beete zu krauchen als im Frühjahr, wenn alles an das Licht strebt. Zumindest mir geht es so.
Mein Vorschlag ist also gut für die Gesundheit, ein wichtiger Aspekt.

Noch wichtiger ist aber der Aspekt, das wir den Tieren etwas sehr, sehr Gutes tun! Jedes Beet, das nicht abgeräumt wird, hilft Insekten, Unterschlupf zu finden. Viele kleine Insekten begeben sich im Boden von Stauden oder in den entstandenen Hohlräumen der alten Stengel zur Winterruhe. Das wiederum hilft den Vögeln, sich im Winter den ein oder anderen Eiweisssnack einzuverleiben. Eine willkommene Kraftnahrung für zwischendurch.

Viele Stauden, die nach der Blüte ausreifen konnten, bieten nun Sämereien für die Vögel. Oben im Bild sind es die Samen der Astern und des Ziest. Einige Stauden, wie die Nachtkerze setzen sogar auf das Alte ausgereifte noch mal Wachstum obendrauf. Das hat mich schon im Herbst davon abgehalten, das Zuviel an Nachtkerze raus zu rupfen. Diese Schlingelin hat mir so imponiert als sie noch mal und nun auch noch mal Grün aus dem braun hervortrieb.

Hagebutten sind eine wichtige Nahrungsquelle

Auch Hagebutten bieten Winternahrung en masse, warum also die verblühten Rosen immer wieder schneiden?
Die Mispel lässt die letzten Früchte fallen. Dieses Jahr sind es nur wenige, die lasse ich ebenfalls liegen. Bodenfressende Vögel wie Amseln werden von ihr nichts übrig lassen. Wenn nicht die Amseln, dann werden sich andere Tiere finden, die das übernehmen. Es ist ein bisschen, wie im besagten Kinderzimmer, irgendwo findet sich noch etwas zum Naschen... Der Osterhase aus Schokolade zu Weihnachten im schlimmsten Fall...

Steinstufen und Blätter bieten guten Unterschlupf

Das ist der Aspekt für die Tiere. Dann gibt es noch den Aspekt, den ich zumindest schön finde, nämlich den, das es einfach auch bunter im Garten aussieht. Aufgeräumt wirkt ein Garten ganz klar und strukturiert. Blätter in den Beeten machen diese aber bunt; sie sind hell, sie sind dunkel, sie sind auffällig oder auch nicht. Auf alle Fälle bereichern sie den Blick in den Garten durch die verschiedenen Schattierungen. Ein offener nicht bedeckter Boden trocknet schneller aus und ist u.U. auch Erosionen ausgesetzt.
Dazu kommt, das Blätter sich über den Winter zersetzen und den Bodenlebewesen helfen, eine gesunde Humusschicht aufzubauen! Im Winter schläft und ruht längst nicht alles. Die Kleinsten im Garten arbeiten immer! Ruhiger und behäbiger, aber, sie arbeiten. Blätter und Zeugs erleichtern ihnen ihre Arbeit ungemein, denn sie sind Grundlage und Schutz!


UUUNNNDDD! Wenn es schneit, dann habt ihr viele schöne Blickfänge im Garten, hier ein Hügelchen, da eine Kuhle, dort schimmert etwas aus dem Schnee heraus! Die Kruschelecke wird durch eine Schneedecke plötzlich romantisch schön...

Nichts sieht langeweiliger aus, als eine glatte Fläche mit Schnee im Garten.

Rose im Winter

Bis der Schnee

aber kommt, können wir noch den Anblick der letzten Rosen vor dem winterlich dunklen Hintergrund der verblühten Astern geniessen. Ein spannender Kontrast zwischen Vergehen und das blühende Leben verteidigen...

"Schlingelin" Nachtkerze

Ihr seht, aufgeräumt ist nicht immer besser. Das weiss ich schon lange und beherzige diesen Ratschlag auch im Haus… (*hüstel*)
Scherz beiseite. Spart Nerven, spart Rückenschmerzen, spart Zeit! Nehmt dieses Mehr und verbringt sie mit schönen Dingen, die Inspiration für die nächste Zeit liefern. Euer Garten und die darin lebenden Tiere freuen sich, denn sie haben einen Rückzugsort, der erst im nächsten Jahr, wenn die Kräfte wiederkommen verlassen werden wird.

Nachtrag:

Es hat geschneit und Ihr könnt sehen, das es spannender aussieht, wenn aus dem Schnee Farben und Formen hervorragen

Lasst den Garten als Kinderzimmer und das Chaos stehen! Tiere danken es Euch im nächsten Frühjahr!


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