Totes Holz für die Vielfalt des Lebens

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Totholz im Garten bedeutet Leben und Entwicklung

Winterlinde Tillia cordata
Totholz im lebendigen Baum

Während meiner Gänge durch den Garten, kann ich in diesem Jahr so viele Insekten beobachten, wie noch nie in meinem Garten.

Da kommt die Frage auf: Was kann ich weiter tun, um es ihnen noch angenehmer und lebenswerter zu gestalten?
Nicht nur ich möchte mich in meinem Garten wohlfühlen, sondern auch meine Gäste und Mitbewohner sollen das können. Das bedeutet, das es für die, die es mögen, immer eine Tasse Kaffee und ein Gespräch gibt und für die, die das nicht mögen eben Totholz.
So viele Insekten sind zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens auf Totholz angewiesen oder gar auf Totholz spezialisiert, das ein Garten dringend totes Holz braucht.
Totholz ist Leben, so kurios das klingt.

Totholz schafft Vielfalt

Es ist unglaublich, wieviele Insekten von Holz im Garten profitieren
In der Hauptsache leben Käfer von und in Totholz. Ihre Larven ernähren sich von diesem weichen Holz, verpuppen sich darin, um dann als Käfer zu schlüpfen. Einige Käferlarven jagen andere Käferlarven im Holz, auch hier ist es ein Werden und Vergehen. Wir sehen es nicht, dennoch ist es da. Meiner Meinung nach ist es wichtig, Insekten diese Lebenszyklen im eigenen Garten zu ermöglichen. Es ist auch einfach, weil immer totes Holz anfällt, das dem eigenen Gartenstil angepasst, im Garten eingesetzt werden kann, um weiter von Nutzen zu sein.

Wer hat den großen Nutzen?

Sehr selbst:

Goldglänzender Rosenkäfer, Cetonia aurata an Päonienblüte
Ohne totes Holz wäre dieses (leicht kitschige) Bild nie entstanden

Käfer im Garten

Käfer haben eine sehr unterschiedlich lange Entwicklungsphase. Das Puppenstadium ist sehr unterschiedlich. Der Rosenkäfer z.B. benötigt drei Jahre, um dann als fertiger Käfer zu schlüpfen. Von da ab lebt er von Blütenpollen der Büsche und Stauden auch in unseren Gärten.
Das gilt nicht für Raubkäfer, die sind keine Vegetarier. SIe jagen andere Käfer und Insekten; so schliesst sich der Kreislauf. Über Totholz und blühende nektarreiche Pflanzen stellen wir Kinderstube und Buffet. Die Insekten freut es, die Vögel ebenso. Der Menschen lebt in einem vitalen vor Kraft strotzenden Garten und bezieht aus ihm Energie und Lebensfreude.
 Da ist es doch ein Leichtes, einen Totholzhaufen oder totes Holz als Gartenelement zu integrieren.
Es ist ein Dankeschön im gegenseitigen Geben und Nehmen!

Wildbienen im Garten

Andere Insekten, die uns im Herzen meist näher stehen, sind auch von Totholz abhängig, Einige Wildbienen z.B. benötigen dieses Holz, um Gänge als Nistgelegenheit selbst zu nagen, oder in alten Käfergängen anzulegen.
Da Wildbienen keine Staaten bilden, brauchen sie den Platz für sich. Sie legen ihre Eier und Nahrung in Form von Pollen dort in die Gänge hinein, bevor sie sie verschliessen und die Brut sich selber überlassen.

Wespen im Garten

Wespen, die wie die Wildbienen auch solitär (= allein) leben, vewenden keinen Pollen als Nahrung für die schlüpfende Brut sondern erbeuten ein Insekt, welches sie als Nahrung mit in die Brutgänge einlegen.
Andere Insekten wiederum leben als Parasiten in den Brutgängen von eben den Eiern, die dort ursprünglich heranwachsen sollten.

Ihr seht, wie sehr auch im vermeintlich toten Holz Leben steckt, sich entwickelt oder eben auch nicht entwickelt. Da drin herrscht Vielfalt, die sich dann, in Ruhe entwickelt, auch in unseren Gärten und/ oder Balkonen und Parks zeigen kann. Wenn wir es nur zulassen!

Stellen für die Gartenstatur

Totholz ist so eine wichtige Einrichtung und von so großem Nutzen für die Artenvielfalt, das ich beschlossen habe, noch mehr darauf zu achten, Totholz im Garten zu behalten. Bisher habe ich schon einiges hingestellt:
meine Weidepfähle aus Eichenholz bieten Nahrung und Schutz,
meine Gartenbeleuchtung steht auf mittlerweile recht morschen Kieferstämmen.
Aus alten Paletten hat Peterso einen Sessel und diverse Bänke gebaut. Nicht für die Ewigkeit, nur für ein paar Jahre.
Aus einem Altholzstapel, der bei einem Umbau am Baumhaus angefallen ist, habe ich ein Insektenhotel errichtet.

Es lebe der Sperrmüll-

dort habe ich vor Jahren eine alte Kommode entdeckt, die ich als Gluckenstall ausbauen wollte. Wollte. Ist bisher nicht passiert, aber nun bekommt diese alte Kommode eine echte Aufgabe, sie wird zum Insektenhotel.
Wir haben das alte angegammelte Holz aus dem Baumhausumbau zersägt. Die alte Kommode wurde hochkant nach Südost aufgerichtet in eine Gartenecke gestellt. Dort habe ich das Holz hineingestapelt. Sieht ein bisschen wie ein Bücherregal aus.
In das Holz, in die Zwischenräume kann sich ansiedeln, wer will, alles Getier ist in meinem Garten willkommen.
Gleichzeitig kann alles Holz gemeinsam verrotten, auch die Kommode wird so zu einem Teil der Natur, der dadurch einen großen Nutzen erhält. Natürlich sollte das  nur mit Holz geschehen, das keinerlei chemische Grundbehandlung erfahren hat.
Bei dieser alten Kommode gehe ich davon aus, das sie eine Schellackbehandlung erfahren hatte und somit nicht giftig ist.

Legen für die Gartenstruktur

einen Reisighaufen habe ich angelegt, um alten Baumschnitt zu stapeln und Lebensraum auch für Insekten und vielleicht Vögeln anzubieten. Der Zaunkönig nistet gerne in solch Haufen. Vielleicht habe ich irgendwann mal das Glück und Vergnügen.
Eine Benjeshecke wird es nicht werden, dazu ist sie zu kurz und locker aufgebaut, sie dient eher als beginnender Sichtschutz für die rote Treckerschaufel, die sehr dominant die Blicke auf sich zieht. Dieser Reisighaufen wird bei jedem anfallenden Baum- oder Heckenschnitt aufgefüllt und ergänzt. Vielleicht dient er irgendwann kleineren Tieren als Zuflucht und Behausung.
Meine Knüppelburg, (Link zum Beitrag) die ich im letzten Jahr schon aufgebaut habe, ist ein ebensolches Element, das noch in jeden Garten eingebaut werden kann, gut aussieht und einen Nutzen für die Insektenwelt und somit den lebendigen Garten hat. Dickeres Holz kann hier immer wieder aufgelegt werden.

 

Stapeln für die Gartennatur

Natürlich ist der beste Lebensraum bei uns das Holzlager. Dort findet sich für jedes Insekt das Richtige: gelagertes Holz, Rinde am Holz, Rindenstücke am Boden und das Meiste kann in Ruhe liegen, bis wir es nach ein paar Jahren Trocknung und Ablagern dann holen und verbrennen.
Im Brennholz brüten mittlerweile Gartenrotschwänze und können ihre Küken leicht groß bekommen.
Die Umrandung der Erdbeerbeete ist nun auch so morsch, das es lässig als Totholz daherkommt. Es wird ausgetauscht werden müssen und kommt dann an anderer Stelle gestapelt zu weiterer Geltung.
Ein lebendiger Garten braucht Abwechslung, da ist Totholz ein wunderbares Element, das jede GärtnerIn nach dem eigenen Geschmack einsetzen kann. Es muss nicht der Weidezaunpfahl sein, auch ein aufgestelltes Schwartenholz geht ganz wunderbar.

Der Parkplatz wird noch eine Abgrenzung durch diese Holzstelen bekommen, kombiniert mit Rosen oder anderen Büschen wird auch das eine schöne Abgrenzung des Gartens werden, ohne das Auge eines Betrachters auszuschliessen.

Echter Widderbock, Clytus arietis
Der Widderbock braucht Holz-lassen wir es ihm liegen

Der Rosenkäfer und die vielen Bockkäfer haben mich dieses Jahr darauf gebracht, wieviel mehr in meinem Garten noch geschehen kann, wenn ich ihn unterstütze und bereichere.

Schaffen wir Lebendigkeit, es ist nicht schwer, einfach mal liegen lassen! Ihr dürft viel fauler sein als Ihr vielleicht denkt.

 In Verbindung mit den passenden Pflanzen kommt der Genuss für das Auge und Ohr auch nicht zu kurz!

Ein Hoch auf die Faulheit! Stapeln für die Vielfalt und liegen lassen! Yeah!


Zurück

Einen Kommentar schreiben