Und es fliegt und krabbelt noch!

von Gartenphilosophin (Kommentare: 0)

Das Insektenjahr 2018 - Lebendigkeit pur!



Gemeine Wiesenwanze, Lygus pratensis
Die Gemeine Wiesenwanze - eine echte Schönheit

Dieses Jahr 2018 war ein gigantisches Gartenjahr. Heiss, trocken, höchst lebendig.
Vom ersten Blütentag an habe ich viele Stunde beobachtend in meinem Garten verbracht.
Sehr früh begannen die ersten Hummeln und Wildbienen, die Sträucher und Zwiebelblumen aufzusuchen. Hummeln haben die Fähigkeit, ihre Körpertemperatur selber zu regeln, sie können daher schon bei niedrigen Temperaturen im Plusbereich fliegen. Das taten sie auch fleissig und umschwärmten die Blutjohannisbeere ‚King Edward VII’. Die Kornelkirsche (lest gerne den Blogbeitrag) zog die Wildbienen an, die dann zu einem etwas späteren Zeitpunkt aus ihrer Winterruhe kamen.

Wildbiene an der Deutzienblüte
Die Deutzien wurden fröhlich besucht

Von Anfang an herrschte in meinem Garten ein buntes Treiben und Leben. Durch die zu verschiedenen Zeiten blühenden Bäume, Stauden und Büsche konnten sich viele Insekten bis weit in den Juni mit Nektar und Pollen versorgen.
 Die Obstbaumblüte erstreckte sich über ein paar Wochen, dann kam die Robinienblüte, gefolgt von der Pracht der Winterlindenblüte (Blogbeitrag). Durch das phantastische Klima hatten alle Bäume und Insekten die besten Bedingungen.

Wildbienen im Garten
Den ganzen Sommer blüht etwas

Dadurch, das meine Pflanzen in all den Jahren kaum mit Wasser verwöhnt wurden, haben sie die Trockenheit ganz gut wegstecken können, indem sie eine Menge Wurzeln weit in den Boden geschickt haben, um Wasser aus etwas tieferen Schichten zu holen.

Wildbienen im Garten
Auch die Blüten der Wiese bieten reichlich Nahrung

Bei meinen Gartenbeobachtungen habe ich so viele verschiedene Arten kennen gelernt, das hat mich umgehauen. Schmetterlinge lassen sich anhand von Photos ja noch allein und/oder mit Hilfe ganz gut bestimmen, bei der Menge der unterschiedlichen Wildbienen bin ich aber hoffnungslos verloren gegangen. Honigbiene kann ich bestimmen, wenn ich mich näher eingearbeitet habe, vielleicht auch ein paar Hummeln, bei den Wildbienen aber…

Igelfliege
Igelfliegen flogen hier das ganze Jahr

Mir sind so viele verschiedene Insekten begegnet, das ich Euch einige von Ihnen hier zeigen möchte. Warum sie so zahlreich im Garten sind?

Weil ich eine „böse“ Gärtnerin bin, die kaum in das Gartengeschehen eingreift.


Kohlwanze, Eurydema oleraceum
Die Kohlwanze hat ein gutes Plätzchen gefunden

Vielfalt durch Unterlassung

Keine Chemie im Garten, keine Düngung, kein Nachsaat durch Hochleistungsgräser, weil die Wiese lückig wird, wenig bis kaum Rasen mähen, wenn, dann erst so spät, daß das meiste schon fast überständig ist. Auf der Obstwiese lasse ich die Pferde zweimal im Jahr das Grün abfressen, der Rest wird gemäht. Das Mahdgut wird abgetragen und auf den Komposthaufen gebracht. Da das Gras bei uns selten hoch wird, lohnt es sich kaum, damit irgendwas zu mulchen. Mangels einer echten Ertragszone in Form von Gemüse, könnte ich es auf die Baumscheiben legen, das halten aber die Hühner nicht aus und kratzen es weg. Also Komposthaufen.

Schwebfliege auf Nachtkerze
Wildes stehen lassen hilft Insekten

Vielfalt durch Faulheit

Ich lasse viele Beikräuter wachsen. Bis auf den hohen Sauerampfer darf hier eine Menge stehen bleiben. So entwickelt sich der Rasen nach und nach zu einer Wiese, die in diesem Jahr einer großen Insektenschar eine Menge geboten hat.

Hornisse am Apfel
Auch das Fallobst auf der Wiese versorgt z.B. Hornissen


Um dem ein bisschen nachzuhelfen habe ich im Herbst in die Lücken des vetrockneten Rasens die Reste der Wildsamenmischung aus dem Frühjahr (s. Blogbeitrag Rullstorfer Gartenband) ausgebracht und in den Boden eingeharkt. Da bin ich gespannt, ob sich da im nächsten Jahr ein Erfolg einstellt.

Pyrausta porphyralis, Porphyr-Purpurzünsler
Der Porphyrzünsler hat bei der Pflanzung geholfen...

Vielfalt durch Fleiß

In diesem Jahr habe ich die Besetzbare Kräuterspirale (Blogbeitrag) gebaut, um einen Magerbereich zu schaffen, auf dem sich auch Spezialisten unter den Insekten versorgen können. Schon während der Pflanzung (Blogbeitrag) stellten sich interessante neue Bekanntschaften ein.
Durch den Bau der Pyramide bleue (Blogbeitrag) habe ich die Spinne cryptachaea riparia kennen gelernt. Sie besiedelt gerne so steiniges im Garten und baut aus dem, was sie findet ihr Versteck. Viel habe ich über sie nicht herausfinden können, z.B. ob sie dort auch ihre Eier ablegt.

Stenurella melanura, Kleiner Schmalbock, Männchen
Der Kleine Schmalbock ernährt sich von Pollen

Vielfalt durch Beobachtung erkennen

Stundenlang bin ich durch den Garten gewandert und gestanden, um Insekten zu finden und sie kennen zu lernen und zu bewundern.

Kreuzspinne
Im Herbst gab es vergleichsweise wenig Spinnen

Spinnen sind in diesem Jahr nicht so viele zu sehen gewesen, vielleicht war ihnen zu heiss. Eigentlich bereichern sie die Herbsttage mit ihrer Jagd, in diesem Herbst waren sie scheinbar nicht so erfolgreich, oder es ist eine Folge des letzten verregneten Jahres gewesen, da ihnen dort der viele Regen vielleicht zu sehr zugesetzt hat. Ich weiss es nicht.

Veränderliche Krabbenspinne, Misumena vatia
Die Veränderliche Krabbenspinne

Aber Krabbenspinnen gab es, die oben genannte Spinne, ein paar Kürbisspinnen. Sie konnte ich bis weit in den Spätsommer beobachten, sie bekommt auch noch einen eigenen Artikel, denn sie ist mir sehr ans Herz gewachsen, einfach auch, weil sie leicht zu beobachten ist.

Wiesenschnake
Ein echtes Modell, diese Wiesenschnake


Dafür eine Menge Käfer, Wanzen und Schnaken.
 Ameisen auch nicht so viele wie sonst in den Jahren, das hat mich gewundert, denn die stören sich eigentlich nicht an Hitze und Trockenheit.

C-Falter Polygonia C-album
Der C-Falter in der Linde

An Schmetterlingen habe ich so viele kennen gelernt ich war begeistert, wieviele sich hier scheinbar wohl gefühlt haben. Ihre Masse ist sicher diesem Jahr zu verdanken, denn in den letzten Jahren waren deutlich weniger zu sehen gewesen.
Gelehrt haben sie mich eine ganze Menge! Wieviele es gibt, wie groß und vor allem, wie klein ein Schmetterling sein kann.
Ihnen widme ich aber noch einen Extrabeitrag. Die vorigen könnt Ihr gerne noch einmal lesen, die Gartengaukelei und über den Besuch des Schwalbenschwanzes in meinem Garten!

 

Goldglänzender Rosenkäfer, Cetonia aurata
Der Rosenkäfer kann in allen Stellungen futtern!

Mein Garten hat sich mir auf eine neue Art und Weise noch einmal ganz anders vorgestellt. Meine Freude über diese unzähligen Gartebewohner ist riesig.

Winterlibelle, Sympecma fusca
Die Winterlibelle zeigt sich ebenfalls

Am meisten bewundere ich sie, wie sie ihre Orte im Garten finden und mit Leben füllen. Das mein Garten für sie ein Lebensort sein kann, begeistert mich ebenfalls.

Schmuckwanze, Eurydema ornata
Die Schmuckwanze wird ihrem Namen gerecht

Natürlich kann ich meinen Garten nicht nur alleine betrachten, er befindet sich in einem Umfeld, das an sich auch schon recht naturnah ist. Die Bewohner meines Gartens sind sicher nicht nur in ihm zu finden, sie kommen ihn besuchen und leben vielleicht woanders, oder sie leben in meinem Garten und versorgen sich woanders. Essen gehen, halt.

Heuschrecke?
Auch die gut Getarnten waren bewundernswert

Mich motiviert es sehr, weiter zu machen, denn es ist ja nicht schwer, wie ich hoffentlich zeigen kann!

Blattwespe
Blattwespen machen sich ganz hübsch da, oder?

An Pflanzen steht uns eine so reiche Auswahl zur Verfügung, das wir einen Garten so schön für uns aber auch wertvoll für die hemischen Insekten gestalten können.
Es gibt auch ein paar Pflanzen, die nicht wild und heimisch sind, dennoch einigen Insekten eine gute Nahrungsgrundlage bedeuten. Sei es auch nur für die Jagd...

Motte
Wer das ist, weiss ich noch nicht...

Meine Rispenhortensie ist so eine Pflanze, die im Alter auch leicht duftet und eine große Vielfalt an Insekten anzieht.
Viele Hortensien bieten keinen Nutzen, die Rispenhortensien scheinbar schon!

Raubfliege im Garten
Raubfliegen finden sich auch, welche genau, weiss ich nicht.

Für mich ist es eine Mischung, die scheinbar ganz gut in meinem Garten und seiner Umgebung funktioniert. Der Schwerpunkt liegt auf standortgerechten Pflanzen, mit den die Insekten hier gut zurecht kommen und die sie anziehend genug finden.

Nördliche Fruchtwanze, Carpocoris fuscispinus
Diese Fruchtwanze fand auch ihren Weg in die Hortensie

Ein paar andere Pflanzen aus "geschichtlichen Gründen", wie Geschenke von Freunden, oder aus meiner Unwissenheit heraus; die sich dann aber doch als irgendwie nützlich herausgestellt haben. Erfreulicherweise, denn dann müssen sie nicht weichen.

Wespen im Garten
Viele Helfer haben mir das Absammeln erspart!

Ihr merkt: Ich fange an, zu plaudern, um meine Photos unterzubringen. Es sind so viele geworden und doch ist es nur ein kleiner Ausschnitt.
Deshalb mein Tipp: Schafft Vielfalt!
Es ist eine kurze Zeit, etwas Mühe, dananch aber gibt es so viel zu beobachten! Da geht eine Menge Freude und Zeit hinein, die sich absolut lohnen!

Vielfalt entsteht durch Verzicht auf zu viel gärtnerische Mühe!

 

 

Vielfalt für den Garten ist hier zu finden.

 

 

 


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