1,5 m - lebendiger Zwischenraum Frühlingsruhe im Februar

von Gartenphilosophin (Kommentare: 1)

Das Leben im Zwischenraum ruht dem Frühling

 entgegen

Gräser in der winterlichen Morgensonne | Bildlizenz Ulrike Lohmann - per imaginem

Der Februar ist da, wir sind noch mitten im LockDown ein Ende ist als zartes Licht in Sicht. Die zweite Welle reduziert sich, der Weg ist noch immer lang und beschwerlich. Vor allem jetzt im Winter fällt es uns noch schwerer, Abstand zu halten. Es ist die Zeit, sich mit Freunden gemütlich zu treffen und eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Das geht nicht, vielen von uns fällt mittlerweile die Decke auf den Kopf. Selbst wenn wir draußen sind, ist es die meiste Zeit grau, früh dunkel, naß, kalt, windig, gefroren, etc. Also eher ungemütlich. Spaziergänge können helfen, auf andere Gedanken zu kommen und einmal abzuschalten.


Gräser im Raureif |  Bildlizenz Ulrike Lohmann - per imaginem
Raureif verschönert im Moment den Blick auf die Wiese

Was mir im Moment hilft, ist die Betrachtung der Fläche und die Gedanken darum, welcher Ort für die Beobachtung denn nun geeignet ist. Genau festgelegt habe ich sie noch nicht, der Boden ist im Moment verschneit und gefroren ich kann nichts abstecken. Die beiden Flächen zur Auswahl sind aber festgelegt, die Entscheidung wird im März fallen. Als ich meine Februar Fotos betrachtet habe, fiel mir auf, daß auch vermeintlich leere Flächen Spannendes bergen. Die Gartenseele hat sich eingemischt und mich auf den Boden und die alten Pflanzen aufmerksam gemacht.
Folgender Gedanken stand plötzlich im Raum:
Die Leere steckt voller Leben und wartet nur auf die Entfaltung ihrer Energie!


Moos, Gras, Blätter im Raureif |  Bildlizenz Ulrike Lohmann - per imaginem
Ein Blick auf leere Flächen, und doch ...

Garten-Leben im Winter

Im Moment schaue ich auf eine vereiste, weiße leere Fläche. Natürlich passend zur Jahreszeit aber auch zur gefühlten Zeit. Auf dieser Fläche entdecken wir zuerst einmal - nichts.
Schauen wir aber ganz genau mit allen Sinnen hin, können wir schon das stetige Rauschen der Entwicklung wahrnehmen.

Der Boden, so still er im Moment erscheint ist auch jetzt noch voller Leben. Viele Insektenlarven aus dem letzten Jahr entwickeln sich über den Winter in Bodennestern, im Schutz von Wurzelwerk oder am Fuße von Gräsern und Stauden ruhend. Viele Imagines (= ausgewachsene Insekten) sind auf eine dicke Bodenstreu, Mäuselöcher, hohle Stängel angewiesen, um zu überwintern.
 Viele Larven in den Puppen, Kokons und Erdnestern durchleben im Winter ihre Wandlung/Entwicklung hin zur schlüpfenden fertigen Imago, die endgültige Form ihres Seins, die am Ende ihrer langen Entwicklung steht.

Distelfink, beim Picken nach Sämereien in der Nachtkerze |  Bildlizenz Ulrike Lohmann - per imaginem
Der Distelfink sucht keine Insekten, er findet Sämereien

Insektenerwachen im Frühjahr


Aus der Larve wird eine Wildbiene, die ab dem Frühjahr schlüpft und während ihrer Nahrungssuche die ersten Blüten bestäubt.

 Einige Imagines überwintern. Schmetterlinge, wie das Tagpfauenauge überstehen diese Zeit in Mäuselöchern. Hummel- und Wespenköniginnen ruhen  im Boden. Die ersten Hummelköniginnen erwachen demnächst, um sofort mit der Staatsgründung zu beginnen. Ab vier Grad werden sie ausfliegen, denn sie können ihre Körpertemperatur regulieren.
Wespen und Hornissen haben diese Fähigkeit nicht, deshalb erwachen sie später, wenn es wärmer wird.
Wanzen aus dem letzten Jahr ziehen sich in die Streu des Bodens zurück. Die schöne leuchtend grüne Stinkwanze als Beispiel verliert ihre Farbe und wird eine braune Wanze, die dort am Boden überwinternd, hungrigen Vögeln kaum auffällt. Wenn sie im Frühjahr wieder aktiver werden, färben sie sich wieder attraktiv grün und füllen den Garten erneut mit Leben. 



Anblick in der Leere |  Bildlizenz Ulrike Lohmann - per imaginem
Auch in der Leere findet sich das Schöne

Die leere Fläche im verschneiten Zwischenraum

Das ist die verheißungsvolle Botschaft einer leeren Fläche: Es herrscht dort viel Leben, das nur darauf wartet, sich zu zeigen, nachdem es sich in der Stille entwickeln konnte.


Kälte wird am Boden durch den gefallenen Schnee abgemildert. Wir haben das Glück, dass es im Februar angefangen hat, zu schneien. Dieser Schnee ist ein weicher warmer Schutz des Bodens und des sich dort entwickelnden Lebens.
Die Natur ist so geschickt in ihren Möglichkeiten, Leben hervorzubringen. Wenn ich mir da näher Gedanken dazu mache, endet es immer im großen Staunen!
Schnee schützt jetzt vor der Kälte, und feuchtet später den Boden langsam an, wenn er schmilzt. In dem Maße, wie der Boden auftaut und immer tiefer durchfeuchtet wird, erhalten Pflanzen das Wasser und aus ihren im Vorjahr angelegten Knospen werden Blüten, die dann von den erwachenden Insekten besucht und bestäubt werden.

Feldhase hilft beim Baumschnitt |  Bildlizenz Ulrike Lohmann - per imaginem
Dieser Feldhase hilft mit seinem Erscheinen, die Leere zu füllen

Pflanzen als Winterschutz für Insekten


Das alte Gras, stehen gelassene Stauden, nicht geschnittene Pflanzen, welche im Winter Schutz für viele Insekten boten und Nahrung für Wildtiere bedeuteten, dienen ab dem Frühjahr als Dünger für den Boden und als Nistmaterial für z.B. Vögel.

Was für ein Kreislauf, oder?
 Wir können nur auf Flächen schauen und staunen! Dies sogar im Februar, denn das alles spielt sich vor unseren Augen ab, ohne, daß wir es wirklich begreifen können!

Herzgespann |  Bildlizenz Ulrike Lohmann - per imaginem
Symmetrie des Winters im alten Herzgespann

Die Leere und die Lebendigkeit auf 1,5 m Abstand


Was bedeutet dieses nun für uns?
 Auch dieser 1,5 m Abstand zwischen uns, der sich im Moment so verdammt leer, grau und einsam anfühlt, birgt den Keim der Lebendigkeit in sich. Soviel Energie entwickelt sich dort, ballt sich zu neuer Kraft zusammen und wartet nur auf die ersten warmen Tage, um aufzubrechen und förmlich zu explodieren.

 So wie sich Insekten IMMER hin zum Guten entwickeln, denn sie alle sind Teil unserer Welt und unseres Gefüges, so ist es an uns, daß diese aufbrechende Lebensenergie, die sich da zwischen uns entwickelt, hin zum Guten ausbrechen zu lassen. Das möchte ich auch, ich will, dass es sich zum Guten wendet, so schwer es auch erscheinen mag.
Ich möchte diese Chance nutzen, die geballte Kraft des Lebens hin zu etwas Gutem zu lenken.
 Gelingt mir das, dann entwickelt sich Freude. Über einen Erfolg, über das Erreichen eines Ziels, über einen kurzen Moment des Miteinanders. 
Daraus kann ich Kraft auch über den Abstand hinweg ziehen.

Grashaufen dienen über den WInter als Schutz für Lebewesen |  Bildlizenz Ulrike Lohmann - per imaginem
Eine mögliche Schutzunterkunft für Tiere des Gartens, die liegen bleiben kann

Wie wir 1,5 m überbrücken können!

Was hilft uns im Moment, diese geballte Energie in den Raum zwischen uns zu bringen?
 Wie können wir sehr leicht, diesen Abstand überbrücken und mit Leben füllen?
Ein Lächeln, verstärkt mit freundlichen Worten, Aufmerksamkeit, z.B. auch an der Ladentheke. Ein rücksichtsvolller Umgang miteinander, vor allen Dingenaber das Vertrauen, dass es sich wenden wird, das Blatt! Ich versuche, mir zu merken, dass ich meinen Teil zum Gelingen beitragen kann, so ätzend auch Abstand und Maskentragen und der gesellschaftliche Zwist sind.
In diesem gesellschaftlichen Winter steckt aber eben auch ...

...der Keim der Lebendigkeit auf 1,5 m Abstand; verhelfen wir ihm zur Blüte!
Wer macht mit?


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garten inspiratie

Von: garten inspiratie

Am:

Um: 14:30

Es hat mir Freude gemacht, Ihren Blog zu lesen. Ich danke Ihnen für das Teilen